Eine Powder-Bowl unweit von Salzburg mit schier endlosen Freeride-Möglichkeiten – Willkommen im Skigebiet Obertauern!

Skidestinationen schmeißen gerne mit imposanten Claims um sich – das wissen wir ja. Bohrt man jedoch etwas tiefer oder stellt gar eigene Recherchen an, dann schmelzen diese paradiesischen Versprechungen oftmals auf ein irdisches Maß zusammen. Zahlen hingegen lügen nicht. Und diese belegen aus einer Studie der österreichischen hydrografischen Landesdienste, dass das Skigebiet Obertauern mit 264 Zentimetern als mittlere maximale Schneehöhe das Ranking der schneereichsten Wintersportorte Österreichs anführt.

Diese empirische Erhebung liest sich für uns Schneejünger noch aus einem weiteren Grund wie die Powder-Bibel, denn ein Trend zu sinkenden Schneemengen lasse sich laut Forscher Günther Aigner nicht erkennen. Schließlich haben sich die Werte in den letzten 108 Jahren nicht verändert. Halleluja.

Inhalt

 

Die besten Powder-Spots | Skigebiet Obertauern
Der Hiasl weiß genau wo die besten Powder-Spots zu finden sind | © Markus Rohrbacher

Anfahrt in das Skigebiet Obertauern

Wie wir inzwischen aus der Studie gelernt haben, ist in Obertauern für Schneesicherheit gesorgt. Kein Wunder also, dass Obertauern gerne als „Schneeschüssel des Salzburger Landes“ bezeichnet wird. Und tatsächlich gleicht die Topografie des Skigebiets einer gewaltigen Schale, die uns unsere weiße Lieblingsspeise sicher zwischen ihren bis zu 2.313 Metern hohen Gipfeln vor die Nase hält. Diese umzingeln den auf 1.660 Metern gelegenen Skiort an der Passhöhe und nur die Bundesstraße 99 findet zwei kleine Schlupflöcher aus dieser imposanten Bowl. Jetzt drängt sich einem doch fast der Eindruck auf, dass sich dieses Schneemekka im letzten Winkel Österreichs versteckt hält und erst mit einer komplizierten wie langwierigen Anfahrt zu erreichen ist. Weit gefehlt, denn über die Tauernstraße ist dieses Schneeloch von Salzburg innerhalb einer Stunde zu erreichen. Easy Access also – so lieben wir das!

Bei so einem Ausblick kann einem doch nur das Herz aufgehen | Skigebiet Obertauern
Bei so einem Ausblick kann einem doch nur das Herz aufgehen | © Markus Rohrbacher

Hat man die kurze Anfahrt nach Obertauern hinter sich gebracht, darf sich euer PS-Bolide anschließend für euren kompletten Aufenthalt ausruhen. Im gesamten Resort liegen nämlich die Hotels nur wenige Meter entfernt von Pisten oder Zubringern – „Ski in, Ski out“ lässt grüßen. Der Skeptiker erwartet bei diesen entspannten und äußerst stressfreien Aus sichten sicherlich Warteschlangen an den Liften, weil an den Wochenenden Salzburgs Powder-Hounds über den Ort herfallen und ihr mit entsprechenden Wartezeiten an den Talstationen zu rechnen habt. Seid beruhigt, selbst zu absoluten Stoßzeiten schaufeln die 26 Liftanlagen die Besucher gefräßig nach oben und auf den 100 Pistenkilometern verteilen sich diese äußerst schnell. Und im freien Gelände trifft man bei der Fülle an Möglichkeiten ohnehin selten auf Konkurrenz.

Freeriden in Obertauern

Freerider sind also bestens in Obertauern aufgehoben. Wie wir schon erwähnt haben, gleicht Obertauern aus topografischer Sicht einer riesigen Bowl, was natürlich gleich mehrere positive Effekte mit sich bringt. Bei Runs, die sich kreisförmig um den Ort aneinanderreihen, müssen sich zumindest in einer Hangexposition die Powder-Nuggets schürfen lassen. Und wir als gierige Goldgräber werden diese verborgenen Adern sicherlich finden. Schneelage, Lawinengefahr und Tageszeit geben uns vor, in welchem Sektor der Powder-Schüssel die Suche bei unseren Ausflügen den größten Erfolg verspricht.

Adrian Krainer gehört zu K2's "Enjoyern", was man ihm bei diesem Spray auch sofort abnimmt | © Markus Rohrbacher
Adrian Krainer gehört zu K2’s „Enjoyern“, was man ihm bei diesem Spray auch sofort abnimmt | © Markus Rohrbacher

 

Die Sicherheit steht bei allen Runs und ausgezeichneten Varianten natürlich an oberster Stelle. Hier hat Obertauern investiert und für alle, die sich bei der Beurteilung der aktuellen Situation nicht sicher sind, einen Freeride Checkpoint errichtet. An diesem werden alle relevanten Informationen wie die aktuelle Lawinenwarnstufe, Temperatur, Schneehöhen und gefährliche Hangexpositionen aufgezeigt. Zudem könnt ihr dort auch eure LVS-Geräte auf ihre Funktion testen. Ihr findet den Checkpoint strategisch günstig gelegen zwischen den Bergstationen der Hochalmbahn und der Kringsalmbahn. Beide Bahnen liegen im nördlichen Teil des Resorts, der das größere Stückchen des Resort-Kuchens für sich beansprucht, betrachtet man lediglich die Anzahl an Liften und Pisten.

Matthias Weissenbacher | © Markus Rohrbacher
Matthias Weissenbacher | © Markus Rohrbacher

Wir Freerider finden aber in beiden Sektionen beinahe gleichwertige Optionen, wobei wohl das südliche Gelände an der Zehnerkarbahn und den Gamsleiten-Liften etwas anspruchsvoller ist als das auf der gegenüber liegenden Seite. Generell könnte das Terrain aber nicht besser geshapt sein, denn die steilen und unbewaldeten Runs unter den Gipfeln münden alle in vergleichsweise lichte Wälder. Und solange man seine Routen in Richtung Zentrum gewählt hat, steht man im Tal früher oder später wieder an einer Talstation – Surprise, Surprise. Bei dieser Vielfalt an Möglichkeiten findet natürlich jeder das passende Terrain, um sich und sein Riding zu pushen.

 

Highlights und Tipps für das Skigebiet Obertauern

Jetzt wollen wir euch aber ein paar absolute Highlights und Must-rides an die Hand geben, wenn ihr in diesem Winter noch eure Powder-Waffen nach Obertauern entführen wollt. Einer der Klassiker ist zweifelsohne der Run von der Kleinen Kesselspitze. Startpunkt dieser Variante ist die Gamsleiten-II-Bergstation. Von dort geht es die ersten Meter südlich über die Piste noch bergab, bis ihr auf den Sattel fahren könnt. Hier solltet ihr eure Sportgeräte auf den Rucksack schnallen.

Der Aufstieg ist zwar kurz, aber oftmals ist der gespurte Track zwischen den Felsen ausgeblasen und ihr benötigt beide Hände für die kurze Kletterei. Aber keine Angst, der Hike bis zum Gipfel ist nicht ausgesetzt. Am Gipfelkreuz dürft ihr wieder in den Ride-Mode wechseln und in den großen Kessel donnern, der sich im Süden auftut. Nach diesen Speed-Turns habt ihr jetzt viele Optionen, um euch euren Weg bis ins Tal zu bahnen. Links herum findet ihr eher einfaches Terrain, rechts herum laden Felsen zu spaßigen Cliff-Sessions ein. Viele der Runs führen am Ende auf die Galerie über der Bundesstraße. Kollektive Bomb-Drops stehen dort auf der Agenda.

Mathias ist Park-Experte, hat aber absolut nichts gegen Powder- Landungen einzuwenden | © Markus Rohrbacher
Mathias ist Park-Experte, hat aber absolut nichts gegen Powder- Landungen einzuwenden | © Markus Rohrbacher

Wollt ihr von hier aus ohne Umschweife gleich zum nächsten Klassiker starten, dann springt in den kostenlosen Skibus, der euch bis zur Talstation der Grünwaldkopfbahn befördert. Diese und die Seekareckbahn heben euch schon fast auf das Seekareck. Lediglich ein kurzer Hike bis hinauf zum Gipfel trennt euch jetzt noch von einem chilligen Cruise-Run. Seid ihr oben angekommen, öffnen sich nach Süden hin gleich mehrere Kessel, in die ihr alle einfahren könnt, solange ihr nicht zu weit nach rechts abdriftet. Dort empfangen euch nämlich Felsabbrüche, die euch die Weiterfahrt versperren.

Nach dem ersten Drittel dieses Runs öffnet sich der Hang und mündet in ein recht gleichmäßiges Gefälle, wobei vereinzelte Bäume und Latschen für Abwechslung bei eurem Cruise sorgen. Besonders bei Neuschnee ein traumhafter und nicht allzu schwieriger Run. Noch eine Sektion tiefer lädt dann ein kleines Waldstück zu verspielten Tree-Runs ein, das euch direkt am „Jugendgästehaus Gottschallalm“ ausspuckt. Von dort aus folgt ihr der Straße zurück zur Kehrkopfbahn.

Snowpark im Skigebiet Obertauern

Aber nicht nur die Freerider kommen im Skigebiet Obertauern auf ihre Kosten – nein, auch für die Park-Fraktion hat das Resort mit The Spot die passende Spielwiese im Angebot. Okay, mit dem immensen Off-Piste-Potenzial kann der Snowpark an der Kehrkopfbahn nicht mithalten. Aber gerade für Einsteiger oder Jib-Fanatiker bieten die 40 Obstacles ausreichend Möglichkeiten, um der Kreativität freien Lauf zu lassen.

Über insgesamt drei Kilometer Länge und drei Lines finden sich neben klassischen Park-Elementen bei entsprechender Schneelage eine Powder-Kicker- Zone und eine eigene Freestyle-Freeride-Route. Backcountry-Kicker hitten, ohne selber schaufeln zu müssen – ein Traum! Generell verändern sich die Features während der Saison immer wieder, da der Park komplett ohne Kunstschnee auskommt. Anders als üblich werden nach fetten Dumps die Obstacles in Obertauern nicht wieder aus der weißen Umklammerung ausgebuddelt, sondern neu arrangiert. Das verleiht dem Park einen verspielten und kreativen Charakter.

© Michael Fasching
© Michael Fasching

Après le Shred im Skigebiet Obertauern

Ein Traum ist das Skigebiet Obertauern auch für Feierbiester. Nein, wir PRIMEler sind in diesem Metier mehr als unterbelichtet und könnten euch lediglich vom Hörensagen einige Tipps geben, wo ihr euch nach einem perfekten Tag im Schnee noch etwas an der Theke auspowern könnt. Wir wissen aber, dass die Absturzgefahr in Obertauern vergleichbar mit einer Fünf auf der Lawinenskala ist. Antesten also auf eigene Gefahr!

Facts zum Skigebiet Obertauern

  • Website: obertauern.com
  • Facebook: @obertauern
  • Höhenlage: 1.630 bis 2.313 Meter
  • Liftanlagen: 1 Gondelbahn, 2 Kombibahnen, 17 Sessellifte, 6 Schlepplifte, 5 Sonstige
  • Pisten: 100 km präparierte Abfahrten
  • Tickets 1 Tag: 47,- Euro (Erw.) / 35,50 Euro (Jug.*) / 23,50 Euro (Kids**)
  • Tickets 6 Tage: 244,50 Euro (Erw.) / 183,50 Euro (Jug.*) / 120,50 Euro (Kids**)
  • Verbund: Ski Amadé
  • Park: Snowpark The Spot
    • Shaper: 2
    • Höhenlage: 1.600 Meter
    • Setup: bis zu 40 Obstacles

* Kids: 2003 und jünger / ** Jugendliche: 2000-2002

Alle Hot Spots im Überblick