Das Kleinwalsertal ist nicht ohne Grund bei Pistencarvern, Park-Fahrern und Backcountry-Crews gleichermaßen beliebt. Wir zeigen euch warum.

Kanzelwand, Walmendingerhorn und Ifen – das Kleinwalsertal bietet Großes für Snowboarder auf drei Stages. In Österreich gelegen, ist das Kleinwalsertal nur über Oberstdorf aus Deutschland aus zu erreichen. Der Sonderstatuts dieser geografischen Lage lässt das Leben im Tal entschleunigen und schärft den Fokus auf die drei Skigebiete, die mit unglaublichem Potenzial weit unter Flughöhe bei vielen Freeridern und Freestylern gehandelt werden. Ein Fakt, der das Kleinwalsertal noch attraktiver macht.

Das Fellhorn bietet mit seinen breiten Pisten ideale Voraussetzungen für Pistencarven deluxe! | © Oberstdorf/Kleinwalsertal
Das Fellhorn bietet mit seinen breiten Pisten ideale Voraussetzungen für Pistencarven deluxe! | © Oberstdorf/Kleinwalsertal

Während viele Winterregionen ihre Kundschaft mit Superlativen locken, stehen die Walser lieber mit beiden Beinen fest auf dem Boden und bleiben sich selbst treu. Natürlich leben auch die Vorarlberger vom Tourismus, aber dieser schätzt die entspannte Gelassenheit, die den Walsern wohl in die Wiege gelegt wird und sich in ihrem Tal an jeder Ecke widerspiegelt. Riezlern zum Beispiel, die Hauptortschaft im Kleinwalsertal, erfüllt vom Casino bis zum Luxuswellness-Hotel alle Voraussetzungen für eine klassische Wintersport-Destination, um auf den einschlägigen Vergleichs- und Buchungsplattformen ganz oben im Ranking mitzuspielen. Doch was tatsächlich hängenbleibt, wenn man ein Wochenende in Riezlern verbracht hat, ist neben den Erlebnissen auf dem Berg die Gelassenheit, mit welcher man von den Einheimischen empfangen wird. Sei es der kurze Wortwechsel mit der freundlichen Kassiererin im Supermarkt, die einem einen guten Tag wünscht oder die entspannte Atmosphäre beim Kaffeetrinken in der Cantina Vertical, einem rustikalen Café direkt gegenüber von der Kanzelwandbahn und dem Crystal Ground Snowpark gelegen. Entschleunigung, ein zunehmender Boom in unserer Gesellschaft, ist im Kleinwalsertal einfach Teil des Alltags, ganz ohne Retreat und Aufpreis.

Das Walmendingerhorn bietet alles, was das Snowboard-Herz begehrt: Tiefschneehänge und abwechs- lungsreiche Pisten an jeder Ecke | © Oberstdorf/Kleinwalsertal
Das Walmendingerhorn bietet alles, was das Snowboard-Herz begehrt: Tiefschneehänge und abwechs- lungsreiche Pisten an jeder Ecke | © Oberstdorf/Kleinwalsertal

Der Crystal Ground

Der Crystal Ground Snowpark bietet gleichermaßen für Anfänger wie Könner viele Obstacles zum Jibben | © Kleinwalsertal/S. Eigner
Der Crystal Ground Snowpark bietet gleichermaßen für Anfänger wie Könner viele Obstacles zum Jibben | © Kleinwalsertal/S. Eigner

Wer im Kleinwalsertal einen Snowpark sucht, wird wie eben schon erwähnt, direkt neben der Talstation der Kanzelwandbahn fündig. Der Park hat Tradition und ist die letzte Hochburg für ambitionierte Parkfahrer in der gesamten Region. Von der Hauptstraße aus müsst ihr nur zwei Mal umfallen und schon steht ihr am Fuße des Crystal Ground. Das Setup variiert durch die Saison ständig und ist ideal für Anfänger und Fortgeschrittene geeignet, die auf verschiedene Kicker- und Jib-Kombinationen warten.

Direkt im Dorf gelegen, könnt ihr den Crystal Ground bequem zu Fuß erreichen | © Kleinwalsertal/S. Eigner
Direkt im Dorf gelegen, könnt ihr den Crystal Ground bequem zu Fuß erreichen | © Kleinwalsertal/S. Eigner

Neben dem Park verläuft der Kessler Lift, der euch nach einem Run wieder bequem nach oben zum Inrun des Snowparks transportiert und euch somit eine hohe Anzahl an Parkruns pro Tag garantiert. Aber auch Könner haben im Crystal Ground ihre Freude, da das Setup neben medium Kickern auch allerlei kreative Lines mit Transfers bietet. Wer eine Pause braucht, kann auf dem Sonnendeck am Fuße des Parks bequem das Treiben der anderen beobachten und bei feinen Beats wieder zu Kräften finden. Ein weiteres nicht zu unterschätzendes Plus des Parks ist der Kessler Sport Shop direkt an der Kanzelwandbahn, der die perfekte Anlaufstelle für euch ist, wenn euer Equipment mal wieder auseinanderfällt und ihr ohne große Weltreise eine neue Schraube oder Schnalle für eure Bindung benötigt. Last but not least, ist der Mittwochabend im Crystal Ground für alle Nachtschwärmer der Place to be. Wenn in anderen Parks mit dem Betriebsende der Lifte die „Lichter ausgehen“, kann man im Crystal Ground jeden Mittwoch von 19 bis 22 Uhr seine Feierabend-Laps drehen und bei „Fußballstadion-Atmosphäre“ im Flutlicht die Night Session genießen.

Die Kanzelwand

Die Kanzelwandbahn bringt euch direkt aus Riezlern hinauf auf den gleichnamigen Berg auf 1.957 m. Von hier aus eröffnet sich euch das Zweiländerskigebiet aus Kanzelwand und Fellhorn, das durch seine weitläufigen Pisten der ideale Ort für alle Pistencarver ist. Der zweite Frühling des Carvens ist auch nicht an dem Skigebiet vorbeigegangen, das sich kurzerhand dazu entschlossen hat, eine bisher unpräparierete Route als zusätzliche Piste für Familien ab diesem Winter umzufunktionieren. Wem es schwerfällt bei seinen Turns flach über dem Boden um die Kurven zu ziehen, der findet Hilfestellung auf der Funslope am Fellhorn. Der Run zieht sich mit Steilkurven und Bodenwellen den Berg nach unten und ist für die einen ein absoluter Speed-Run und für die anderen eine Snowsurf-Line, aber für alle in jedem Fall eine riesen Gaudi! Das zusammenhängende Gebiet aus Fellhorn und Kanzelwand besticht durch seine Pistenvielfalt und seine sensationellen Tiefschneeabfahrten, was dazu führt, dass die meisten talentierten Locals am liebsten zuhause auf den Berg fahren und kaum den Weg aus ihrem Tal finden, um andernorts an Bekanntheit zu gewinnen. Warum auch, wenn es daheim einfach am schönsten ist! Das Zweiländergebiet bietet auch für Einsteiger den Easy Fellhornpark, der mit kleinen Take-offs, Tubes und Boxen Hilfestellung bei den ersten Freestyle-Gehversuchen gibt.

Die Funslope lädt mit Steilkurven und Bodenwellen zum Ritt gen Tal | © Kleinwalsertal/Oberstdorf
Die Funslope lädt mit Steilkurven und Bodenwellen zum Ritt gen Tal | © Kleinwalsertal/Oberstdorf

Das Walmendingerhorn

Ganz hinten im Kleinwalsertal laufen die Uhren absolut auf Gemütlichkeit. Mit der Gondel von Mittelberg geht es hoch auf 1.942 m zur Bergstation, von wo aus es nicht mehr als zwei weitere Sessellifte benötigt, um den gesamten Berg zu erschließen. Auf und neben der Piste erwarten euch unzählige Kanten, Drops und herrliche kleinere und größere Tiefschnee-Runs, die das Walmendingerhorn zum Playground für alle Allrounder werden lässt. Es gibt diese Gebiete, über die man am liebsten nicht sprechen möchte, um auch in Zukunft dort in Ruhe shredden zu können. Das Walmendingerhorn ist so ein Fall, weshalb wir uns von der Bergstation über die Flanke mit einem unglaublichen Powder-Nordhangrun bei stabilen Lawinenverhältnissen zum Ifen verabschieden, der nicht weniger abgelegen im Schwarzwassertal gegenüberliegt.

Der Ifen

Lange Zeit galt der Ifen bei Hirschegg als absoluter Geheimtipp und ist es auch heute noch. Der Unterschied zu damals: Seit kurzem muss man nicht mehr mit einem Einersessellift in Schrittgeschwindigkeit ins Gebiet hocheiern, da die Bergbahnen in zwei neue Gondeln sowie einen 6er-Sessellift und Beschneiungsanlagen investiert haben. Der Ifen ist so überhaupt nicht das, was man mit einem angesagten Skigebiet verbinden würde, aber genau hier liegt die Stärke dieses unglaublichen Juwels am Ende der „Welt“. Von der Bergstation aus eröffnet sich euch ein unwirkliches Panorama über das Steinerne Meer und auf das Walmendingerhorn und wird zu eurer Rechten durch den markanten Ifen – ein Felshochplateau – komplementiert.

Der Ifen ist auf und neben der Piste ein einziger Playground. Alex Fischer nutzt einen Felsvorsprung, um per Alley-Oop auf einem anderen Felsrücken zu landen | © Basti Gogl
Der Ifen ist auf und neben der Piste ein einziger Playground. Alex Fischer nutzt einen Felsvorsprung, um per Alley-Oop auf einem anderen Felsrücken zu landen | © Basti Gogl

Die Pisten sind abwechslungsreich und laden zum endlosen Carven ein. An den Pistenrändern könnt ihr während des Tages eure ganz persönlichen Sidehit-Lines aus bzw. einfahren, die euch locker 20 – 30 Kanten, Hips, Drops und Butterkanten per Abfahrt anbieten. Aus der Gondel wird auch ersichtlich, wie viel Potenzial die kleinen Tiefschneefelder mit ihren Rollern und kleinen Cliff s zum Backcountry-Jibben zwischen den Pisten haben. Allerdings sind einige Zonen Wildschutzgebiet, weshalb ihr unbedingt die „Respektiere deine Grenzen“-Schilder beachten solltet! Der Ifen ist ein beliebtes Ziel unter Pros zum Shredden und für Film- und Fotoshootings, nur schaffen die meisten Pros aufgrund ihres vollen Kalenders den Weg meist nicht bis ins hintere Kleinwalsertal, was mehr Raum zum Genießen für euch bedeutet.

Am Ende des Tages könnt ihr mit eurer Gästekarte kostenlos mit dem Walserbus zurück nach Mittelberg oder Riezlern fahren und wenn es eure Beine noch erlauben, ein paar letzte Laps im Crystal Ground Snowpark drehen.

  • Website: kleinwalsertal.com
  • Facebook: okbergbahnen, crystalground
  • Höhenlage: 1.086 – 2.030 Meter
  • Liftanlagen: 2 Umlaufgondeln, 3 Sessllifte, 3 Schlepplifte, 1 Förderband
  • Pisten: ca. 70 km
  • Ticket 1 Tag: 48,- Euro (Erw.*) / 37,- Euro (Jug.**) / 18,50 Euro (Kids***)
  • Ticket 6 Tage: 177,50 Euro (Erw.) / 136,50 Euro (Jug.) / 87,50 Euro (Kids)
  • Saison: 458,- Euro (Erw.) / 303,- Euro (Jug.) / 184,- Euro (Kids)
  • Verbünde: Der Skipass gilt in der ganzen Region Oberstdorf/Kleinwalsertal

* 1959-2003 / **2001-2002 / *** bis 2003

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