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Halldor Helgason im All-Star Interview

Halldor Helgason wurde von vielen großen Modemarken angefragt, ob er für sie modeln würde. Wir wollen gar nicht wissen, wie viel sie ihm dafür angeboten haben, aber der wohl authentischste Snowboarder aller Zeiten hat alle Angebote abgelehnt und sich nicht verkauft. Auf den größten Contests war der Isländer ein Überraschungsei, vom ersten bis zum letzten Platz war alles drin. Halldor hat mit seinen Film Parts regelmäßig Münder offen stehen lassen und für viele Lacher gesorgt. Was aber war das Geheimrezept für seinen Erfolg?

Interview & Text Nico Steidle
Für Halldor Helgason war Snowboarden immer nur ein Spiel, weshalb sein Style wahrscheinlich so dermaßen mühelos scheint. Ohne Zweifel, der mit Abstand einflussreichste Snowboarder Islands ist international eine absolute Größe in unserem Sport!

Halldor Helgason Interview

Halldor Helgason Portrait

ALTER: 31 Jahre
LEBT IN: Reykjavik, ISL
SNOWBOARDET SEIT: 2000
SPONSOREN: Lobster; Horsefathers, Thirty Two, VonZipper, GoPro, Monster Energy, Kaleidoscope Skateboards


Hey Halldor, weißt du eigentlich, unter welchem Namen du in Ethan Morgans Telefon gespeichert bist?

Mhhh, vielleicht als Hillary Clinton?

Richtig! Aber warum zur Hölle Hillary Clinton?

[lacht] Das ist eine verdammt gute Frage. Dieser Freak! Wir haben uns über die Jahre so viele Spitznamen verpasst, das ist komplett aus dem Ruder gelaufen. Und viele davon waren komplett zusammenhangslos, so wie Hillary Clinton. Ich habe ihn erst Analjiuce, dann Morgan Freeman und Freemo getauft. Mittlerweile nenne ich ihn Freeman. Er hat mich Harold, Captn Harold, Hillary oder Tiffany genannt, es gab aber nie einen tieferen Sinn dahinter.

Capt´n Harold war dein Alter Ego, wenn du betrunken warst. Wem hast du diesen Spitznamen zu verdanken?

Mein alter Teammanager bei DC hat mich so getauft, Nick Olson. Und wenn ich besonders betrunken war, hat er mich Captn Harold genannt. Aber der Spitzname, der mir geblieben ist, ist Hillary. Den mag ich persönlich auch am liebsten. [lacht]

Als du in Island zu Snowboarden begonnen hast, war es noch nicht weit her mit Snowboard Content im Internet. Wie habt ihr rausgefunden, dass ihr bereits auf einem international wettbewerbsfähigen Level snowboardet?

[lacht] Ich bin noch nie auf einem international wettbewerbsfähigen Level Snowboard gefahren. Wir haben uns damals alles an Snowboard Videos auf DVD bestellt, was gerade rausgekommen ist und haben uns an den Tricks der Fahrer orientiert und versucht sie nachzumachen. Manchmal haben die Bestellungen mehrere Monate gebraucht, bis sie bei uns waren, aber sobald wir die Filme hatten, haben wir sie rauf und runter geschaut. Die Tricks, die wir lernen wollten, haben wir dann in Slowmo angeschaut. Wir haben einfach versucht, so gut zu werden, wie die Fahrer in den Filmen.

Halldor Helgason_Prime-Snowboarding_11-2017
Halldor-Helgason_Prime-Snowboarding_11-2017_All-Stars-Die-besten-Snowboarder

Island hat 350 000 Einwohner. Ist es in so einem kleinen Markt überhaupt möglich einen Sponsor zu finden?

Es war nicht einfach. Es gab einen Shop in Reykjavik und sie nahmen mich und Eiki als Shop-Fahrer auf. Wir haben dann ein Board, eine Bindung und ein paar Boots umsonst bekommen, irgendwann dann auch noch ein Outfit. Das hat mich damals zum glücklichsten Jungen der Welt gemacht! Ich war plötzlich jemand, die gaben mir Stuff umsonst, ich war so hyped. Aber uns wurde aus allen Richtungen zugetragen, dass es für uns unmöglich ist, unseren Lebensunterhalt als Pro-Snowboarder zu verdienen, weil Island als Markt viel zu klein und uninteressant ist.

Als wir dann nach Schweden zogen und mehr im internationalen Rampenlicht standen, hat es dann doch funktioniert. Wir waren so besessen davon zu snowboarden und wir sind es noch immer.

Du hast einmal gesagt, das Beste am Snowboarden ist, dass du keinem Coach im Rücken hast, der dir die ganze Zeit sagt, was du wie und wann machen sollst. Du bist allerdings in Schweden auf eine Snowboard-Schule gegangen, da hattest du doch sicher auch einen Coach?

Auf der Schule, auf die ich und Eiki gingen, hatte zwei Zweige. Einen für die besonders talentierten Snowboarder, die ein professionelles Coaching hatten und die auf eine Pro Karriere getrimmt wurden. Und dann gab es den Zweig für die Locals, das war der Zweig, auf den Eiki und ich gegangen sind. Er war für Kids gedacht, die einen Schulabschluss machen wollen, aber gleichzeitig Spaß haben wollen.

Wir gingen mit der Klasse zweimal in der Woche shredden, aber unsere Coaches waren nicht wirklich dran interessiert, ob wir Fortschritte machen oder nicht. Sie haben uns einfach fahren lassen, ohne uns Tipps zu geben oder uns zu etwas zu zwingen. Sie waren viel mehr da, um auf uns aufzupassen, nicht mehr und nicht weniger. Das war perfekt für uns. Der Park war richtig gut, das kannten wir aus Island nicht, da haben wir unsere Parks selber gebaut. Was am Schluss gut war, denn wir waren so gestoked davon, weil wir es so nicht kannten.

Glaubst du, dass es dich zu dem kreativen Fahrer gemacht hat, dass du in einem Gebiet aufgewachsen bist, indem du alles selbst bauen musstest? Eine ähnliche Geschichte hat uns Theo Hjellström erzählt, der in Mittelschweden ohne Park aufgewachsen ist.

[lacht] Theo ist ein großartiger Snowboarder! Aber ja, mit Sicherheit, es macht einen gezwungenermaßen kreativ, wenn man ohne Park aufwächst. Die Konditionen in Island waren alles andere als gut: eiskalt, meistens schlechtes Wetter, schlecht geshapte Parks. Wenn man sein ganzes Snowboard-Leben nur diese miesen Bedingungen hatte, lernt man superschnell Neues in einem perfekt geshapten Park. Ich weiß noch, als ich nach Schweden kam, war Eiki schon ein Jahr dort. Er hat mich dermaßen abgehängt in diesem einen Jahr, aber ich habe schnell nachgezogen und aufgeholt.

Halldor & Eiki Whitelines

2012 haben dein Bruder Eiki, Gulli Gudmonson und du „Sexual Snowboarding“ gefilmt. Was ist eigentlich aus Gulli geworden? Fährt er noch Snowboard und hat er seinen Stance mittlerweile kleiner gemacht?

Ich kann mich nicht wirklich daran erinnern, dass Gullis Stance besonders breit war, ich weiß nur, dass wir alle echt verdammt breite Stances hatten. Gangster Life! Gulli fährt nach wie vor passioniert Snowboard, das Pro-Leben hat er aber schon lange hinter sich gelassen.

Ich habe letztes Jahr einen Trip mit ihm auf eine isländische Insel mit einem Boot gemacht, wir waren dort Snowboarden. Das war das erste Mal seit fünf Jahren, dass wir wieder zusammen auf dem Brett standen. Gulli hatte einfach keinen Bock mehr, sich zu verkaufen und anzubiedern. Es ist ein bisschen schade, weil er wirklich Talent hatte. Aber er ist jetzt Familienvater und setzt andere Prioritäten.

Früher haben wir immer über die Helgason-Brüder geredet, irgendwann war es nur noch Halldor. Wann hat Eiki angefangen, sich vom Snowboarden zurückzuziehen und warum war seine Karriere nie so erfolgreich wie deine?

Das ist eine gute Frage. Eiki mochte das Reisen nicht, er war lieber Zuhause. Also hat er irgendwann einfach aufgehört zu reisen, dadurch ist er auch aus der Szene gerutscht. Aus den Augen, aus dem Sinn… Er ist immer gesnowboardet, hat immer kleinere Sachen gefilmt, aber er war nicht mehr international unterwegs und damit abgemeldet.

Die ganze Nummer war Eiki zu repetitiv: Jedes Jahr zu den gleichen Spots zu jetten, mit den gleichen Leuten die mehr oder weniger gleichen Video Parts zu filmen – er hat sich darin nicht mehr gesehen und nach einem anderen Weg gesucht. Ich fand es sehr schade. Abgesehen davon hat er eine mittlerweile vierjährige Tochter und das ändert einiges. Meine Tochter ist jetzt ein Jahr und ich merke, wie schwer es mir fällt, sie zu verlassen, wenn ich auf Trips gehe. Mal sehen, wie lange ich es noch durchziehe.

Halldor Helgason // MBM153_11-2010
Halldor-Helgason-MBM153_11-2010

Wir erinnern uns, dass du 2010 erster bei den X-Games im Big Air geworden bist, 2011 wurdest du dann letzter. Als du damals gewonnen hast, hast du Fahrer wie Torstein Horgmo, Travis Rice und Mikkel Bang hinter dir gelassen. Warum ist deine Comp-Karriere nicht so explodiert, wie die von Torstein zum Beispiel?

Ich konnte die Contest-Szene nie wirklich ernst nehmen. Ich bin mit Snowboard- Filmen aufgewachsen, hatte nie wirklich die Möglichkeit, internationale Contests zu verfolgen, vielleicht hat es mich deshalb so wenig interessiert. Für mich war es immer so ein bisschen Event-Kino. Nach dem Motto, yeah X-Games, geile Partys und nebenbei noch einen Contest fahren. Ich wollte immer filmen.

Es war schon witzig, Air & Style und die X-Games zu fahren, allerdings habe ich mich nie darauf vorbereitet, habe meistens bis kurz vorher noch Street gefilmt und habe dann viele Tricks zum ersten Mal auf den großen Contests ausprobiert, was sicher nicht die taktisch klügste Herangehensweise war. [lacht] Aber ich hatte nie den Ehrgeiz, gute Ergebnisse einzufahren. Ich habe es gehasst, die immer gleichen Tricks zu wiederholen, ich mache einen Trick zwei, drei Mal und will dann etwas Neues lernen. Allerdings funktionieren Contests anders.

Wiederholung ist das Brot und Butter. Und das hat mich ziemlich gelangweilt. Deshalb haben meine Ergebnisse auch so geschwankt. Entweder ich hatte einen guten Tag und hab meine Tricks, die ich niemals on lock hatte, zufällig gelandet oder halt nicht. Zum Glück war es mir egal. [lacht]

Halldor Helgason Cover

Was hältst du von der Entwicklung der Contest-Szene?

Ich bin nicht der größte Fan der Spin-to-win-Bewegung, andererseits bin ich der Meinung, dass Fortschritt wichtig ist und man Fortschritt nicht aufhalten sollte. Allerdings ist das Niveau im Snowboarden viele Jahre organisch und langsam gewachsen, dann kamen die Airbags und das Level ist von heute auf morgen komplett explodiert, es war fast schon lächerlich. Bald werden Fahrer Snowboarden dominieren, die 70% vom Jahr auf Dryslopes in Luftkissen springen. Ich finde das absurd, will es gar nicht haten, aber ich finde es echt befremdlich.

Was denkst du über die Natural Selection Tour?

Game Changer! Es war so cool, ich habe dieses Contest-Format verschlungen. Ich denke, diese Richtung an Contests kann competition Snowboarden retten.

Halldor Helgason - Whitlines_Spring-2012
Halldor Helgason // Whitlines_Spring-2012

Wann sehen wir Halldor Helgason bei der NST?

Das frage ich mich auch. [lacht] Ich hoffe, ich bekomme irgendwann eine Einladung. Ich wäre auf jeden Fall sofort mit von der Partie! Es wäre ein Traum für mich.

Im Internet wurde heftig diskutiert, ob Kevin Backström oder Travis Rice in ihrem Heat besser war. Wer war deiner Meinung der Gewinner?

Das ist nicht zu beantworten. Beide Lines Lines waren superheftig. Kevin hatte den Front 7 Tail, Travis den massiven Sw Bs 5. In diesem Gelände und bei dem Schnee switch zu landen ist heftig. Das Ergebnis der Judges war eng beieinander. Ich hätte es nicht entscheiden wollen.

„Bald werden Fahrer Snowboarden dominieren, die 70 % vom Jahr auf Dryslopes in Luftkissen springen.“
– Halldor Helgason –

Du warst nicht nur einer der einflussreichsten Snowboarder deiner Generation, du warst auch der erfolgreichste Businessman der Szene. Lobster, Switchback, Hoppipolla, 7/9/13, Atrip Outerwear. Es gibt Gerüchte, dass die Gewinnspanne von 7/9/13 die höchste aller deiner Marken war.

[lacht] Das ist ein witziges Gerücht und es ist absolut nicht wahr. Andere Brands laufen deutlich besser. Es ist auf jeden Fall ein wahr gewordener Traum für mich und Eiki, eine Snowboard-Marke zu betreiben. Es war ein langer Lernprozess. Ich war 19 als ich Hoppipolla und 7/9/13 gestartet habe. Mit 19 ist man noch kein smarter Business Guy, zumindest ich war keiner. Wir haben uns von guten Leuten beraten und helfen lassen. Eiki und ich waren die Gesichter der Brands und haben uns vor allem um die Designs gekümmert.

2011 kam dann die Möglichkeit, Lobster zu gründen und wir haben das dann auch noch gemacht. Es hat Spaß gemacht, aber es war auch verdammt hart, das alles noch während einer Snowboard-Karriere zu stemmen. Es hat auch meinen Fokus vom Snowboarden genommen. Ich hatte gehofft, dass mich die betriebswirtschaftliche Seite meiner Firmen irgendwann interessieren würde, aber ich bin nicht dafür gemacht. Ich bin gar nicht daran interessiert, die Zahlen verschrecken mich.

Wir haben Switchback Bindings jetzt in Lobster Bindings umgewandelt, was die Sache ein wenig vereinfacht. Aber zeitweise war es nicht mehr greifbar, vier eigene Firmen, dann habe ich noch Pro-Models mitentwickelt für meine Sponsoren. Ich bin weder Designer noch Betriebswirt, das hat mich alles angestrengt und ausgelaugt, trotzdem war es ein guter Lernprozess. In erster Linie bin ich Snowboarder und das soll auch so bleiben. Aber ja, ich bin froh, einen Backup-Plan zu haben.

Haldor-Helgason
Haldor Helgason // MBM163_01-2012

Wir haben gehört, dass 7/9/13 eine besondere Bedeutung in Island hat.

Es ist eine Zahlenkombination, die fürs „Aufs Holz klopfen“ steht, wenn man etwas verschrien hat. In Island sagt das jeder, wenn er gerade nicht auf Holz klopfen kann.

Ethan Morgan sagte einmal, dass er dich für deinen ausgeprägten Geschäftssinn bewundert. Du hast deine Firmen vor etlichen Jahren nach Monaco verlegt. Hast du ein paar Steuer-Tipps für uns?

[lacht] Yeah, ziehe nach Monaco! Wir hatten am Anfang unseren Hauptwohnsitz weiter in Island und haben auf unsere Sponsoren-Gelder 55% Steuern gezahlt, außerdem war es nach der Finanzkrise in Island so gut wie unmöglich, das Geld ins Land zu bekommen.

Mein damaliger Berater hat auch Jon Ollson, den Skifahrer, beraten und der wohnte damals in Monaco. Wir haben mit ihm gesprochen und uns dann entschieden, auch dorthin zu ziehen. Aber abgesehen von steuerlichen Vorteilen war Monaco für uns logistisch auch deutlich besser als Island. Die Infrastruktur war besser, es war viel leichter, von dort überall hinzufliegen, Monaco war der deutlich bessere Call als Island.

Habt ihr eine Wohnung gekauft?

Nein, das war unmöglich für uns. Monaco hat den teuersten Quadratmeterpreis in Europa. Fast jeden, den wir dort kennengelernt haben, hat gemietet. Auch das war nicht günstig, wir haben 2500 Euro für 80 qm gezahlt.

Wie war Monaco sonst zum Leben?

Es war so einfach. Man hat seine Miete gezahlt und das war´s. Keiner hat gefragt, wie viel du verdienst, du hast keine Wohnungssteuer oder all den anderen Kram gezahlt. Wir haben unsere Miete abgedrückt und fertig. Das vermisse ich schon sehr, seit ich wieder in Island lebe. Hier gibt es für jeden Fliegenschiss ein Dokument. Ich muss das gerade alles lernen, weil ich damit in meinem Leben noch nie konfrontiert war. Ich hasse Bürokratie!

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Du warst lange mit Ethan zusammen im Nike-Team. Was ist Ethans fieseste Geschichte, die seine Mutter noch nicht weiß, aber in diesem Interview lesen wird?

[lacht] Ich kann ihn nicht vor einen Bus werfen. Es waren so viele fiese Geschichten, das würde er mir nicht verzeihen, wenn die ans Tageslicht kommen. Ich muss die Frage an dieser Stelle abbrechen.

2014 hast du einen Post bei Instagram geschalten, indem du die Szene davor gewarnt hast, Nike jemals wieder ins Snowboard Game zu lassen. Was hatte es damit auf sich?

Ich war damals ziemlich angepisst. Ich habe DC für Nike verlassen und mein Teammanager bei DC hatte mich gewarnt. Er fragte mich, was ich mache, wenn Nike Snowboarden zum dritten Mal den Rücken kehrt. Sie haben es bereits zweimal getan: Einmal mit ACG, davor mit einem anderen Ableger, ich weiß nicht mehr den Namen. Ich ging also vorgewarnt in die Vertragsgespräche und habe das Kind beim Namen genannt.

Mein Vertrag lief vier Jahre und ich habe sie gefragt, was danach passiert. Wird Nike dann wieder aus dem Snowboard Business aussteigen? „Nein, auf keinen Fall, wir sind gekommen, um zu bleiben!“ War ihre Antwort damals. Und dann waren die vier Jahre vorbei und boom, sie haben sich wieder zurückgezogen, ich bin mir so verarscht vorgekommen. Ich kann nichts Schlechtes über Nike Snowboarding sagen, diese vier Jahre waren der Wahnsinn, sie haben alles für mich gemacht. Aber sie haben mich so spät informiert, die Saison hatte schon angefangen und ich konnte keinen Sponsor mehr finden.

Meine Wut richtete sich auch gar nicht gegen die Leute von Nike Snowboarding, es war nicht ihre Entscheidung. Es ging gegen die CEOs, gegen die Zahlenjongleure, die ohne Rücksicht auf individuelle Schicksale einfach die Reißleine gezogen haben, weil sie nicht genug Cash aus Snowboarden pressen konnten.

Ich wollte einfach, dass die Szene daraus lernt und Nike keine weitere Chance gibt. Oder sollten wir das wirklich ein viertes Mal passieren lassen? Ich finde, wir müssen das unbedingt verhindern!

„Ich wollte einfach, dass die Snowboard-Szene daraus lernt und Nike keine weitere Chance gibt“
– Halldor Helgason –

Halldor Helgason_ - Nike-Commercial_Whitlines_2-2011
Halldor Helgason // Nike-Commercial_Whitlines_12-2011

2014 hattest du eine realistische Chance, dich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren, aber du hast die Quali nicht geschafft. Warst du nicht motiviert genug oder waren die Snowboard-Streber einfach zu gut?

Lass uns bei der Wahrheit bleiben. Ich hatte nie eine realistische Chance, mich zu qualifizieren. [lacht] Aber es war Teil meines Nike-Vertrags, dass ich zumindest versuchen muss, mich zu qualifizieren und ich wollte mich daranhalten. In Island gab es damals kein Nationalteam für Snowboarder, also habe ich die Skijungs gefragt, ob sie mir eine Lizenz geben würden. Allerdings war mein Ruf in Island nicht der beste und die die Ski Fédération wollte nicht, dass ich Island bei Olympia repräsentiere. Also ging ich nach Monaco und fragte, ob ich für sie starten darf. Sie waren super hyped und sagten sofort zu.

Als ich dann Island mitteilte, dass ich für Monaco starten würde, ruderten sie zurück und wollten, dass ich doch für sie starte. Sie wollten mitmischen, aber ich sagte, ich will mich um alles selbst kümmern. Und es war ein echter Wirrwarr, ich hatte keine Ahnung, was da um mich herum passierte. Auf einmal waren überall Teams, man musste FIS Punkte sammeln, bei jedem Contest gab es unterschiedlich viele.

Da habe ich das erste Mal so richtig gemerkt, dass sich Snowboarden in eine Richtung entwickelt hat, die mir überhaupt nicht mehr zugesagt hat. Auf einmal waren alle getrennt voneinander, jeder stand in seiner Team-Bubble, alle gingen früh ins Bett, der Vibe war einfach nur noch Cut Throat. Früher sind wir auf den Contests alle miteinander rumgehangen, haben gefeiert und eine geile Zeit gehabt, das war auf einmal komplett vorbei.

Es war das Gegenteil von allem, wofür ich Snowboarden jemals geliebt hab. Der Totschlag-Moment war, als ich mein Board nicht abgezogen hatte und sah, wie ein paar Leute ihre Bretter abzogen. Ich fragte, ob ich den Abzieher ausleihen könnte. Sie fragten mich, aus welchem Land ich komme. Als ich Island sagte, sagten sie „Nein“ und drehten sich wieder um. [lacht] Das war so unglaublich widerlich.  So was sollte in der Snowboard-Welt niemals passieren.

Das Einzige witzig war an dieser Zeit, dass ich mit Ethan mein eigenes Nationalteam geformt habe, weil Deutschland auch nichts mit ihm zu tun haben wollte. Wir sind also auf alle Events zusammengefahren.

Halldor Helgason - Prime-Snowboarding_11-2017
Halldor Helgason // Prime-Snowboarding_11-2017

2014 hast du gesagt, dass Snowboarden fast nicht mehr cool ist und wir die Coolness in Snowboarden beschützen müssten. Wie cool ist Snowboarden 2022?

Ich war jung, als ich das gesagt habe. Ich würde das heute zurücknehmen! Ich will nicht gegen Fortschritt haten, auch wenn mir die Contest-Welt gar nicht mehr gefällt. Aber Snowboarden hat nach wie vor so viele Facetten, es kommen so viel gute Filme, Snowboarden geht es gut und ich finde, wir bewegen uns in eine gute Richtung, auch wenn natürlich nicht alles top läuft.

Für diese Ausgabe interviewen wir Menschen, die einen nachhaltigen Einfluss auf die Snowboard-Szene hatten und haben. Wer muss in deinen Augen unbedingt in dieser Ausgabe sein?

Es muss JP Walker sein! Es gab keinen Fahrer, der mich persönlich annähernd so sehr beeinflusst hat, wie JP Walker. Er hatte immer den ersten oder den letzten Part in den Movies. Er war eine Street-Maschine, hat so viele Tricks erfunden, war ein verdammt guter Powderfahrer, Pipefahrer, Parkfahrer, er konnte alles, weshalb er für mich einer der besten Snowboarder war. Ich habe auch immer versucht, in meinen Video Parts alle Facetten von Snowboarden darzustellen. Das ist der Spaß am Snowboarden und den hat mir JP Walker vermittelt.

Welche Fragen würdest du JP Walker stellen?

Hast du dich jemals gefragt, wie viel Einfluss du auf die isländische Snowboard-Szene hattest?

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Videos

 

„Dayumm!“ Full Part Halldor Helgason 2016

„Acardia“ Halldor Helgason Full Part 2018

„Scandalnavians II“ Halldor Helgason Full Part 2021 

„Never Not“ Halldor Helgason Full Part 2013

 

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