28 Winters, die Dokumentation über die beiden Oberammergauer Tommy Delago und Sepp Ardelt und ihr gemeinsames Lebenswerk Nitro Snowboards, ist eine wunderbare Reise durch die Geschichte des Snowboardens bis in die Gegenwart, befreit von Selbstverherrlichung und Theatralik.

Filmprojekte über Firmen rangieren normalerweise zwischen „Wir sind die Geilsten!“ und „Krass, ist der Film schon zu Ende, ich bin voll eingepennt“. Doch 28 Winters, die Dokumentation über Nitro Snowboards, ist unerwartet erfrischend und bringt etwas auf die Leinwand, was kaum ein anderer Snowboardfilm in den letzten Jahren geschafft hat: Ein echtes Wir-Gefühl!

Tommy Delago & Sepp Ardelt | © Nitro
Tommy Delago & Sepp Ardelt | © Nitro

Nach einem kurzen Intro mit Jeremy Jones übernimmt Nitro-Gründer Tommy Delago mit einem Rückblick in die Anfänge des Snowboardens das Wort, lange bevor er Nitro gründete und stellt fest: In den 1980ern gab es kein cool und uncool, da alle einfach „stoked“ von den positiven Vibes waren, die Snowboarden damals mit sich brachte. Ergänzend stellt er dann noch fest, dass niemand uncool sein konnte, da ja auch niemand cool war. Die Fotos, die er dazu in die Kamera hält, während er aus dem Nähkästchen plaudert, lassen keine Zweifel an seiner Aussage aufkommen, da aus heutiger Sicht der damalige Neon-Tigerfell-Vokuhila-Style einfach etwas komplett eigenes war und heute vor allem zu massiven Lachkrämpfen führt. Doch Tommy bleibt trotz Tinnitus im Auge ganz entspannt und führt uns weiter durch die Geschichte des Snowboardens, die eben auch seine ganz persönliche Geschichte ist.

Cool oder uncool ist völlig egal, denn in den 1980ern ging es um den Spaß: Nitro-Gründer Tommy Delago | © Nitro
Cool oder uncool ist völlig egal, denn in den 1980ern ging es um den Spaß: Nitro-Gründer Tommy Delago | © Nitro

Aber keine Sorge, in 28 Winters dreht sich der Snowboard-Kosmos nicht im Kreis der aufgewärmten Klischees, die wir alle kennen, vielmehr verbindet der Film die Geschichte des Sports auf eine sehr zugängliche Art und Weise mit den heutigen Nitro-Teamfahrern und ihren persönlichen Geschichten. Der Film zeigt die Individualität dieser Ausnahme-Snowboarder, die für die unglaubliche Vielfalt des Sports stehen und bringt diese auf einen simplen, gemeinsamen Nenner: den Spaß! Fahrer wie Marcus Kleveland, Torgeir Bergrem und Sven Thorgren stehen für progressives Contest-Riding und nehmen uns mit auf die Startrampe des Air & Style und in ihre Gedankenwelt, was Contest-Riding für sie bedeutet und wie sie die aktuelle Entwicklung in Richtung Hochleistungssport sehen und damit umgehen. Vor der Kamera sind diese Contest-Maschinen unerwartet normale Jungs, die das negative Contest-Image reflektieren und kommentieren. Contests sind wichtig, aber auch hier steht der Spaß im Fokus, daran zweifelt am Ende der Sektion mit den Skandinaviern niemand mehr. Im Anschluss an diesen sehr unterhaltsamen Part mit viel gutem Snowboarden, Interviews und Statements von und über diese drei Jungs, überkommt einen schon fast das Gefühl, dass man zum nächsten Contest fahren möchte, um sie bei ihren Runs zu unterstützen.

Eero Ettala | © Nitro/Markus Rohrbacher
Eero Ettala | © Nitro/Markus Rohrbacher

„28 Winters ist eine inspirierende Story zweier Freunde aus Deutschland, die ihre Leidenschaft für Snowboarden miteinander geteilt haben. Aus dieser Leidenschaft entstand eine Firma namens Nitro Snowboards. Es ist mir eine Ehre, dass ich seit 16 Jahren Teil dieser Geschichte sein darf“ – Eero

>> Ist Snowboarden Fun- oder Action-Sport?

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