Die Boards von LTB fallen aus dem Rahmen – im wahrsten Sinne des Wortes. Wir wollten mehr erfahren und haben Reto Kestenholz zum Interview gebeten.

Reto Kestenholz mit einem pressfrischen LTB | © Instagram/@reto_kesti
Reto Kestenholz mit einem pressfrischen LTB | © Instagram/@reto_kesti

Reto, wie lange arbeitest du schon mit LTB zusammen und wie hat sich das ergeben?
Ich habe nun seit gut vier Jahren das Vergnügen, eng mit der LTB Family Boards zu entwickeln und unsere einzigartigen Shapes zu pushen. Meine Idee, solch breite Snowboards zu bauen – und fahren zu wollen – ist aber schon über zehn Jahre alt und auf der Suche nach den fettesten Park Twins bin ich über einen lokalen Shop auf sie gestoßen; 2010 habe ich dann zum ersten Mal das LTB Headquarter in Prag besucht.

Die Snowboards von LTB sind durch die Bank deutlich breiter als andere Bretter auf dem Markt. Warum ist das so, was ist die Idee, das Konzept dahinter?
Es gibt auch alle erdenklichen „normalen“ Shapes bei LTB bis zu kurzen, schmalen Ladies‘ Parkboards, nebst Longboards mit durchschnittlicher Breite etc. – über gut 30 Jahre haben sich da so manche Molds angesammelt – es wurde schier unendlich viel ausprobiert. Für mich speziell spannend ist aber die Serie der von dir erwähnten Allmountain/ Freeride-„Planken“. Die bringen so viel Fläche ins Backcountry, dass du ganz neue Lines erkunden kannst und z.B. über Flächen immer einen Tick schneller unterwegs bist. Gewisse Modelle übertreffen die Masse an Nose und Waist Width bei weitem gegenüber denjenigen anderer AnbieternInnen, was auch in einem einzigartigen Fahrgefühl resultiert.

Fette Turns dank fettem Board? Reto liefert den Beweis | © Chilli Pictures
Fette Turns dank fettem Board? Reto liefert den Beweis | © Chilli Pictures

Die Vorzüge von breiten Boards im Tiefschnee sind offensichtlich, aber eure Bretter sind ja auch für Park und Piste gedacht. Wie unterscheiden sie sich im Fahrerlerbnis?
Da sprechen ebenfalls viele Argumente für breitere Boards – auch beim Carven, Jibben und Springen: Mehr Stabilität und gewollte „Trägheit“ verzeihen viele Fehler; ich stürze seltener, wenn ich ein fetteres Brett unter den Füssen habe. Keine Boot Drags, nix, was bremsen würde, weniger Verkanten. Ich schätze es auch, dass durch grösseren „Hebel“ mehr Druck vom Schnee entgegenkommt auf Absprüngen beim Wegdrücken und genieße einfach overall ein sichereres Feeling. Ich denke viele Leute fahren tendenziell zu schmale Boards, vor allem Jungs mit Schuhgrössen um US 11 – zwischen EUR 44 und 45 –, da lohnt sich ein Test mit wirklichen „extra wide“ Freestyleshapes auf jeden Fall.

Ein Method auf die alten Zeiten: Reto fliegt an der Hütte vom Skiclub Hasliberg vorbei, in der er schon als Kind übernachtet hat | © Chilli Pictures
Ein Method auf die alten Zeiten: Reto fliegt an der Hütte vom Skiclub Hasliberg vorbei, in der er schon als Kind übernachtet hat | © Chilli Pictures

Richten sich die LTB Boards eher fortgeschrittene Fahrer oder sind sie auch für Einsteiger geeignet?
Wie erwähnt findet sich im äusserst vielseitigen Angebot von LTB Snowboards für Jedermann/ und -frau das „Richtige“. Breite ist immer auch Geschmackssache; ich würde allen begeisterten SnowboarderInnen empfehlen, mal – länger als nur für zwei, drei Abfahrten und bei entsprechenden Schneeverhältnissen – extreme Formen auszuprobieren in allen Aspekten und Kombinationsmöglichkeiten: Lang und schmal, kurz und breit, oder dann eben auch eine gewisse Länge kombiniert mit satter Breite, was es leider kaum gibt bei den bekanntesten, „großen“ Brands. Gerade direktionale Freerideboards können das Fahren abseits der Piste enorm vereinfachen. Mit extremer Breite können aber weniger fitte PilotInnen auch schneller müde werden auf harten Talabfahrten. Die Wahl ist auch immer ein Abwägen, da gibt es kaum allgemeingültige Antworten.

Wie viel Geld muss man durchschnittlich für ein LTB in die Hand nehmen und wo kann man sich die Bretter im Shop anschauen?
Die Preise variieren zwischen 350 und 800 Euro, wobei letztere – unsere High-end-Produkte der Dream Series – in kleinen Stückzahlen sehr aufwändig mit natürlichen Holztopsheets gebaut und mehrmals von Hand lackiert werden. Anschauen kann man die Boards leider nur in sehr wenigen Shops, doch sind wir demnächst beim Test am Longboard Classic in Stuben am Arlberg. Motivierte DetailhändlerInnen dürfen sich gerne bei uns melden – z.B. um verzweifelten Snowboardern mit großen Füßen aus der Patsche zu helfen. Über die Website oder direkt im ltb-boardshop.com (da gibt’s auch noch ältere Schnäppchen) kann man online bestellen. Zur Zeit haben nur eine Handvoll Core Shops in der Schweiz die neusten Modelle im Angebot – teils auch zum Mieten und Testen – wie zum Beispiel Top Secret in Davos und Julen Sport in Zermatt; einzelne Boards im Backdoor in Grindelwald oder Drop In in Thun.

LTB – Quick Facts

  • Gegründet: Sommer 1986
  • Gründer: Lukas Schroder
  • Firmenphilosophie: „If you love it, you must do it – we make and ride boards, it’s our life.“
  • Firmensitz: Prag
  • Mitarbeiter: 5
  • Website: ltbsnowboards.com
  • Instagram: @ltbsnowboards, @reto_kesti
  • Facebook: @uberwideboards
  • Teamfahrer, Ambassadors: Pepe Samek, Michal Marosi, Max Schroder, Reto Kestenholz – Bewirb dich, wenn du haufenweise Soul & Style hast!