Für den Home Run von Grindelwald-First lag es auf der Hand, ein Interview mit Michi Schärer zu führen. Michi wohnt zwar in Bern, aber zum Snowboarden fährt er am liebsten mit dem Zug nach Grindelwald, wo er zwischen Tiefschnee-Runs und Side Hits vor allem im Snowpark an seinen Tricks feilt, die er an internationalen Contests erfolgreich zum Besten gibt.

Tipp: Schaut Euch unbedingt unseren Guide „Die besten Skigebiete der Alpen“ an. Wir haben uns die besten Resorts für Snowboarder angeschaut und die Locals über Ihr Gebiet befragt.

Michi Schärer im Interview

  • ALTER: 22 Jahre
  • WOHNORT: Bern, CH
  • SNOWBOARDET SEIT: 16 Jahren
  • GRÖSSTER ERFOLG: 2. Platz WM Spanien
  • LIEBLINGSTRICK: Bs 7 Tail
  • LEBENSMOTTO: Wenn du etwas wirklich willst, mach es!
  • SPONSOREN: Nitro, TSG, Snowpark Grindelwald-First

Michi, du bist viel in Grindelwald-First unterwegs. Wo beginnt in der Regel dein Shred-Day, wenn es keinen frischen Powder hat?

Normalerweise fängt mein Shred Day in Bern oder Spiez an, von wo aus ich mit dem Zug nach Grindelwald fahre. Die Fahrt dauert ca. 1 Stunde, ist aber meist eine echt witzige Zeit, da ich immer wieder Freunde oder andere Snowboarder im Zug treffe, die ebenfalls zum Shredden nach Grindelwald unterwegs sind. Dort angekommen, trinke ich erst mal einen Kaffee im Backdoor, dem besten Snowboard Shop in Grindelwald. Der Shop ist ein guter Treffpunkt, wo man sich austauscht und alle News erfährt. Danach geht ’s mit der Gondel auf den Berg, wo ich meistens ein zwei Warm-up Runs am Oberjoch Lift fahre.

Der Park am Oberjoch ist der perfekte Ort, um in der Morgensonne den Körper auf Temperatur zu bringen. Was hält das Set-up dort bereit?

Der Oberjoch Park ist richtig nice um die Beine etwas aufzuwärmen. Am Anfang hat man die Wahl zwischen drei medium oder kleineren Jumps. Nach der Kicker Line folgt ein Hügel, der mega cool ist, um Buttertricks oder Millerflips zu üben. Darauf folgt ein Rail und eine Tonne zum Bonken. Am Ende findet man dann nochmal zwei Rails. Also kann man in einer Runde insgesamt acht Park Features fahren. Auf dem Weg zum Lift hat es dann nochmal mindestens vier Spots auf der Piste, an denen man mit etwas Speed gute Airtime mitnehmen kann.

Und wo trifft man dich an, wenn es Neuschnee in Grindelwald gegeben hat?

Wenn ich hier zu viele erzähle, werde ich gelüncht! Einer der ersten Runs, die ich bei Neuschnee fahre, ist die Gondelfahrt von First nach Bord. Dort kann man wunderbar und ungefährlich in Pistennähe das weisse Gold geniessen. Falls es viele Leute im Gebiet hat, ist dieser Run aber nicht zu empfehlen, da man in diesem Fall lange an der Mittelstation anstehten muss. An Tagen mit vielen Leuten im Gebiet, hat man mehr Spaß, wenn man ein paar Runden am „Grindel“ Lift dreht. Am Ausstieg muss man oberhalb der Station des „Schilt“ Lifts entlangfahren, um in die Powderhänge zu kommen. Dort gibt es auch mega viele gute Spots für die ersten Flip-Versuche. Im Großen und Ganzen gibt es aber im gesamten Gebiet extrem viele Stellen, an denen man perfekt direkt in Pistennähe auf seine Kosten kommt. Wer die Augen offen hält, fi ndet bei Neuschnee in Grindelwald-First jede Menge Abfahrten, die einem den Stoke ins Gesicht treiben.

Wir haben dich diesen Herbst in dem Video „Loose Boardin‘ – Switzerland“ an einem fetten Powder-Kicker in Grindelwald-First fahren sehen. Wo befi ndet sich dieser Spot und gibt es dort noch mehr Backcountry Kicker Spots?

Den Kicker haben wir in der Nähe des Bachalpsee‘s gebaut, also etwas ausserhalb des Gebietes. Dort gibt es aber definitiv noch jede Menge weitere Spots, die ich noch auf meiner Bucket List habe. Ein weiterer Spot des Videos ist mitten im Resort, ich meine den Drop über den Felsen. Dieser Spot liegt auf der Strecke zwischen First und Bord.

Die meisten Pisten von Grindelwald-First liegen fast den ganzen Tag über in der Sonne. Beste Voraussetzungen also um zu Carven und Side Hits zu springen. Welcher Run ist deine Wahl zum Pistencruisen?

Ich finde die Talabfahrt nach Stählisboden am coolsten. Dort gibt es so viele Side Hits, dass es schon manchmal schwer fällt sich für eine Line zu entschei – den! Vielleicht liegt es auch da – ran, dass man sie ohne grossen Aufwand nur einmal am Tag ma – chen kann, denn von dort aus wieder auf den Berg zu kommen bedeu te t, dass man mi t dem Postbus zurück nach Grindelwald fahren muss, um von dort aus wieder mit der Gondel zurück ins Gebiet zu kommen. Zum Carven sollte man früh aufstehen. Jeder weiß, dass es am meisten Spass macht, wenn die Pisten noch frisch und un – befahren sind. Wenn man hauptsächlich Carven möchte und einem etwas weniger Sonne nichts ausmacht, ist man auf der männlichen Seite des Gebiets wahrscheinlich sogar noch etwas besser aufgehoben.

Wir haben den Oberjoch Park, ein paar Tiefschnee-Runs und Pistenjibben in den Knochen und brauchen dringend eine kurze Pause. Auf welcher Hütte treffen wir dich zum Mittag?

Ganz klar, auf der Bärgelegghütte! Die Hütte liegt strategisch ideal in der Mitte des Snowparks. Man kriegt während dem Essen also auch noch das Treiben im Park live mit. Zum Feierband trinke ich gerne mit anderen Shreddern ein Bier am Busstop oder in der Avocado Bar.

Während wir das Essen genie – ßen, lassen wir die imposan – te Bergkulisse gegenüber auf uns wirken. Kannst du uns von links nach rechts nochmal die Namen der markanten Berge erklären, die für diese impo – sante Bergkulisse stehen?

Von links angefangen, kommt zuerst das Wetterhorn, gefolgt vom Mätteberg und dem Schreckhorn. Der Eiger schließt das wunderbare Panorama auf der rechten Seite ab.

Gestärkt und etwas schlauer, machen wir uns auf den Weg in den Snowpark Grindelwald. Welche Line empfi ehlst du uns, um wieder auf Touren zu kommen?

Das Coole im Snowpark Grindelwald-First ist, dass man sich nicht für etwas entscheiden muss. Man kann Rails, Pipe und Kicker in einer Line fahren. Wenn man aber einen Schwerpunkt setzen möchte, geht das natürlich auch. Man kann neben der Pipe den großen Kicker fahren oder neben der Medium Kicker Line die zusätzlichen Rail Lines. Diese Saison wird der Park sogar weiter ausgebaut und noch fetter werden. Die Jungfraubahnen haben gerade einen zweiten Parkbully-Fahrer eingestellt, um den Park noch besser in Schuss halten zu können.

Für welches Fahrlevel ist der Snowpark ausgelegt und hat man lange Wartezeiten am Park Lift und beim Inrun?

Da es zwei Parks gibt, ist für jedes Level etwas dabei. Der Park am Oberjoch ist eher für Einsteiger gedacht, aber ich fahre den Park auch oft, weil er einfach einen guten Flow hat und das Shredden dort mega viel Spaß macht. Außerdem kann ich dort neue Tricks perfekt ausprobieren, bevor es an die großen Kicker geht. Im Snowpark Grindelwald/Bärgelegg hat man dann als Fortgeschrittener oder Pro noch mehr Spaß mit den Kicker zwischen zehn und 20 Metern Table. Die Pipe ist sowieso für jedes Level witzig, da man dort ja selbst bestimmt, wie schnell man die Walls anfährt. Auch die Rails sind hier anspruchsvoller.

Irgendwann neigt sich jeder Tag dem Ende zu. In Grindelwald trifft man sich allerdings meist noch am Pistenrand, um gemeinsam den Tag ausklingen zu lassen?

Auf jeden Fall! Nach der Talabfahrt Stählisboden, von der ich vorhin schon erzählt habe, kommt man zu einem als Bar umfunktionierten Bus. Diese Bar heißt „Busstop“, da hier die Piste endet und die Leute mit dem Bus in fünf Minuten zurück nach Grindelwald fahren. Hier triff t man sich und genehmigt sich ein Hopfensmoothie, während man auf den Bus wartet. Manchmal ist es auch umgekehrt, dass der Bus warten muss. Ein großer Vorteile bei der Anreise mit dem Zug ist ja, dass man auch mal ein zweites Bier bestellen kann … Mit dem Bus geht es dann zurück zur Haltestelle an der Firstbahn. Direkt gegenüber liegt die Avocado Bar. Dort lass ich den Abend dann meistens ausklingen. Die Bar organisiert auch einmal im Jahr einen Rail Jam im Garten, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Das Set-up steht dann meist auch noch etwas länger zur freien Benutzung für alle Shredder zur Verfügung.

Und in welcher Bar treffen wir abends wieder auf dich und welche Beats erwarten uns dort?

Ich persönlich kann nicht tanzen, daher trifft man mich meist in der Avocado Bar an. Wenn’s dann mal wieder ein längerer Abend wird, findet man mich im Mescalero beim Wurzeln schlagen. Wer dort nicht rechtzeitig den Absprung schafft, wird den nächsten Tag am Berg verpassen!

Was muss man in Grindelwald neben der Piste unbedingt erlebt haben, bevor man die Heimreise antritt?

Ich finde den Avocado Jam ein echtes Highlight. Es ist einfach cool, wie Alex, der Barbesitzer, jedes Jahr alles gibt, um einen möglichst perfekten kleinen Shred-Park im Garten der Bar zu bauen. Bei dem Event sind immer sehr viel lustige Leute am Start und die Stimmung ist genauso, wie man sie sich von einer kleinen, aber feinen Session wünscht.

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