Patrick Rauter liebt und lebt Snowboarden, und das schon seit geraumer Zeit. Und weil wir es wichtig finden, nicht immer nur die bekannten Gesichter zu zeigen, haben wir den Österreicher zum Interview gebeten. 

Switch Underflip Mute, Glungezer | © Bianca Klausner
Switch Underflip Mute, Glungezer | © Bianca Klausner

Patrick, du hast uns mit deinen Reiseberichten aus Afrika und Neuseeland Einblicke in dein Leben als Snowboarder gegeben. Bevor wir weiter nach vorne schauen, lass uns einen Blick zurück werfen. Wie und wo bist du zum Snowboarden gekommen?
Ich habe kurz vor der Jahrtausendwende die ersten Skater gesehen und ab da habe ich sofort gewusst, genau das will ich auch machen. Da ich in einer Berg-Seen-Region (Nockberge) aufgewachsen bin und die Winter früher noch schneereicher waren, habe ich dann direkt im Winter auch mit dem Snowboarden angefangen. Das waren quasi die Boomjahre und irgendwie war zu der Zeit damals jeder ein Skater/Snowboarder.

Was hat dich am Snowboarden fasziniert?
Einfach alles! Das Gefühl, den Berg „skaten & surfen“ zu können, der Lifestyle, die Musik, die Videos, die Partys und natürlich auch die ganzen Charaktere in der Szene. Die waren einfach total edgy, hatten eine klare Attitude gegenüber der FIS, unnötigen Regeln, Konformität, Training usw. Das waren Persönlichkeiten, welche Ihr Leben in die Hand nahmen und nach eigenen Regeln lebten und sich weder in Ihrem Riding noch in Ihrer Ausdrucksweise irgendwie einschränken ließen. Das hat mich zutiefst beeindruckt und geprägt. Zudem ist das „Spielen“ mit dem vorhandenen Gelände dabei für mich die höchste Kunst, egal ob auf der Straße oder im natürlichen Terrain. Vielleicht klingt das etwas merkwürdig, aber für mich hat Backcountry-Freestyle und Street-Skating einiges gemeinsam. Man sucht einen Spot und passt seine Tricks dabei dem vorgegebenen Gelände an. Der Kreativität sind dabei überhaupt keine Grenzen gesetzt und deswegen wird es auch nie langweilig. Hin und wieder einen Jump zu bauen und neue Tricks auszuprobieren ist aber natürlich auch immer spannend.

Line, Mt. Ruapehu | © Bianca Klausner
Line, Mt. Ruapehu | © Bianca Klausner

Für viele Fahrer sind gerade in den Anfangsjahren Contests eine gute Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen und sich einen Namen im Snowboarden zu machen. Wie war das bei dir, bist du in deinen Anfangsjahren bei vielen Contests mitgefahren?
Kaum zu glauben, aber es gab damals noch nicht so viele Contests im Rookie-Bereich, bei denen man hätte mitmachen können. Erst etwas später als ich meinen Führerschein hatte, fuhr ich zu den ersten Contests. Formate wie Jam Sessions, wo man den halben Tag mit seinen Buddys relativ frei fahren und rumprobieren kann, fand ich ganz cool oder wenn die Rider sich gegenseitig judgen, weil die ja am besten wissen was hart ist und was nicht. Allerdings, so klassische 3-Runs-der-beste-zählt-Formate haben mir nie so wirklich gefallen, selbst wenn ich mal weiter vorn gelandet bin. Generell wenn zu viel „Wettkampf-Feeling“ aufkam, dann hat mir das nicht so getaugt. Ich war auch nie der Typ, der bestimmte Tricks immer wieder bis zur Perfektion „trainiert“ hat, da braucht man gerade heutzutage einen komplett anderen Mindset. Ich folge da mehr meinem Flow, manchmal klappts, manchmal auch wieder überhaupt nicht.

Wie siehst du die Contest-Szene heute, was hat sich deiner Ansicht nach geändert?
Ich denke als internationaler Contest-Fahrer muss man heutzutage schon der Typ sein, welcher wirklich hart trainieren will. Fitness-Studios, Bagjump- & Trampolin-Training, standardisierte Kicker usw. werden da immer mehr die Regel. Und dann werden die beiden Weltcup-Führenden vom Travis Rice zu seinem Ultranatural-Contest eingeladen und werden Vorletzter & Letzter. Welchen Wert haben die Weltcupsiege dann eigentlich noch? Stell dir mal folgende Snowboarding World Tour vor: Einen In-City Railjam in Skandinavien, ein Bigair-Event in Innsbruck, dem Mt.Baker Banked Slalom, einen Freeride-Stopp in Alaska, einen Stash-Contest inkl. Sidehits, einen Slopestyle-Contest durch den regulären Public Park in Big Bear, einen Pipe-Contest mit unterschiedlichen Transitions und diversen Jibs auf dem Coping und als krönendes Finale der T-Rice Ultranatural Contest. Wie geil wäre das bitte? Das Gegenteil erleben wir zurzeit: Ein paar alte FIS-Säcke diktieren die Contest-Tour und bestimmen wer bei Olympia teilnehmen darf, das Format, die Judging-Kriterien usw. Wer etwas Zeit hat kann ja „Terje Haakonsen Olympia“ googeln. Er hat mit allem Recht behalten und es ist eher schlimmer, als dass es besser geworden ist. Wie lange werden sich die FahrerInnen eigentlich noch verarschen lassen? Hoffentlich macht der T-Rice einfach seine Ankündigung wahr und macht eine World-Tour aus seinem Konzept. Alles andere wäre dann – zumindest für die Szene an sich – nur noch zweitrangig.

Hippie Jump, Cardrona | © Bianca Klausner
Hippie Jump, Cardrona | © Bianca Klausner

Während deiner Trips hast du die unterschiedlichsten Parks auf der ganzen Welt kennengelernt. Welche Parks haben sich besonders beeindruckt?
Ich bin eigentlich immer wegen dem Powder (mit Ausnahme Südafrikas) um die Welt gereist, weniger wegen der dortigen Snowparks. Die Snowparks im neuseeländischen Skigebiet The Remarkables waren hingegen absolut top. Unterschiedlichste, sehr lange Lines bei denen das bereits vorhandene Gelände optimal miteinbezogen wurde. Es war weniger auf extreme Obstacles, sondern auf flüssiges & verspieltes Riding ausgelegt. Man hat sich eher gefühlt wie in einem Skate- als in einem Snowpark. Dazu gab es ein riesiges Stash-Areal, bei denen es nur Features aus natürlichen Materialien wie Holz und Steinen gab. Dort konnte man unendlich kreativ sein. In Chile wiederum gab es bspw. Graffitti-Wallrides inkl. eingebauten Handrails oder verschiedene Jib-Combos wie Spines oder Step-up Boxen in einem einzigartigen Streetlook, ähnlich wie bspw. in Nesselwang der Station Park.

Switch Nosepress Bs 180° out, Sellraintail | © Bianca Klausner
Switch Nosepress Bs 180° out, Sellraintail | © Bianca Klausner

Was brauchen Parks, um gute Runs für möglichst viele Snowboarder unterschiedlichster Levels anbieten zu können?
Kreativere Features wie Volcanoes, Hips, Bowls, Step-Downs sowie kleine Side-Hits und Transitions miteinander kombiniert wären sicherlich interessanter als einfach künstlich alles platt zu walzen und einen standardisierten 08/15 Snowpark aus dem Boden zu stampfen. Außerdem wäre es schön, wenn das bereits vorhandene Gelände mehr miteinbezogen wird, weil so jeder Snowpark wirklich unverwechselbar wird und man auch massiv die Energie- & Wasserressourcen sowie den Shapeaufwand reduzieren könnte. Dazu noch 1-2 größere Jumps – sofern es die Gegebenheiten zulassen – und verschiedenste Arten von Jibs & Rails (wie bereits oben erwähnt). Es sollte zudem möglich sein mit seiner gesamten Gang durch den Park zu shredden, ohne unnötige Separierung. Big Bear, Laax oder das Holy Bowly Festival von Lib Tech zeigen klar vor, in welche Richtung es im Snowparkbau gehen kann. Aber auch in Österreich zeigt bspw. die Sane-Crew auf der Nordkette oder in Ihrem Rinn-Jibpark wie ein fresher Snowpark aussehen kann. Oder wie wäre es nach Neuschnee einen Tag mal nur die Absprünge zu shapen, hingegen die Landungen butterweich zu belassen. Ein andere Idee: Vorgeformte Jumps, Hips sowie Mini-Stepdowns und Pillows aus Holzkonstruktion in einem extra markierten Backcountry-Areal, also quasi die Public-Version des „Ultranatural Parks“.

Hast du schon Pläne geschmiedet für weitere Trips?
Ja, im Sommer ist noch ein Trip nach Nordamerika geplant. Es soll ein richtiger Shredtrip werden, d.h. Snowboarding, Skateboarding und hoffentlich auch Surfing. Freu mich schon total drauf!

Wildcat, Soho Basion Freeride Route Cardrona | © Bianca Klausner
Wildcat, Soho Basion Freeride Route Cardrona | © Bianca Klausner

Wie sieht die restliche Saison für dich aus?
Ich werde noch ein wenig im Backcountry shooten gehen und evtl. noch einen Miniclip für unseren Insta-Channel (@deliriumcrew4real) filmen. Außerdem gilt es noch einen Tourstopp der Carinthia [Shred] Tour (9.3. Bad Kleinkirchheim – Freestyle Workshop) zu absolvieren und die neuen Rails & Boxen für unseren eigenen Jibpark fertig zu stellen. Die Saison läuft dann für mich noch bis ca. Ende April/Mai und geht dann langsam über in die Skatesaison wo ich mit meinen Kollegen zusammen wieder unsere Skatetour organisiere und schaue, dass die Skateparks in unserer Region weiter ausgebaut werden. Langweilig wird mir sicher nicht.

Afritz am See | © Bianca Klausner
Afritz am See | © Bianca Klausner

Last words?
Abschließend will ich gerne noch positiv erwähnen, dass sich gerade vieles im Snowboarding wirklich gut entwickelt. Es gibt definitiv wieder mehr Nachwuchs und sehr viele Grassroots-Events schießen aus dem Boden von Leuten, die wirklich eine Ahnung haben vom Snowboarding. Zudem kommen rücken viele junge Shredder mit Skateboard-Background nach und trotzdem bekommen Legenden wie Jamie Lynn, Walsh, Walker & Co noch ihre verdiente Aufmerksamkeit in den Medien. Snowboarder mit Charakter wie Yung Doli, Bradshaw, Anderson, Müller oder auch ein Wolle Nyvelt mit seinen Äsmo-Parts und die Yawgoons halten Snowboarding einfach interessant und werden zurecht abgefeiert. In diesem Sinne ist Snowboarding meiner Meinung nach sehr gut für die Zukunft aufgestellt. Danke an alle meine Sponsoren für die jahrelange Unterstützung. Danke auch an die Freundin und die ganzen Homeboys für die geile Zeit und natürlich Prime Snowboarding, dass ihr auch Underground-Heads wie mir ein Interview gewährt. Merci!

SHORT CUTS

Patrick Rauter | © Bianca Klausner
Patrick Rauter vor dem Mt. Ruapehu in Neuseeland | © Bianca Klausner