Außergewöhnliche Trips müssen nicht immer weit in die Ferne führen. Das haben auch Simon Gruber, Ethan Morgan, Marco Grigis und Fotograf Roby Bragotto erfahren, als sie sich in der italienischen Mondlandschaft des Ätnas widerfanden.

Mit unserem Board im fluffy Powder von Alaska oder Japan zu versinken und einen Spray nach dem anderen zu ziehen oder die geilsten Parks auf unserem Planeten mit unseren Brettern zu bearbeiten, sind die Träume der meisten von uns. Bei dem Gedanken an den perfekten Snowboard-Trip denken wir genau an diese Orte und weiß Gott nicht an Sizilien, die Sommerferieninsel südlich des italienischen Festlandes. Trotzdem machten sich vergangenen Winter Simon Gruber, Ethan Morgan und Marco Grigis auf den Weg dorthin, um das mystischste aller europäischen Skigebiete am Fuße des Ätnas zu erkunden. Was die Jungs dort erlebten, erzählte uns Fotograf Roby Bragotto, der den Trupp begleitete und zwischen Meerpanorama und Aschewolken seinen ganz persönlichen Stoke erlebte.

© Roby Bragotto
© Roby Bragotto

Italien zählt zweifelsohne zu den schönsten und abwechslungsreichsten Reisezielen Europas. Die Landschaft ist unglaublich facettenreich und lockt Touristen aus der ganzen Welt, die sich an den Stränden, in geschichtsträchtigen Städten und den Bergen im Norden Italiens tummeln. Italien verbinden wir mit gutem Essen, Kultur, Vespas und vielen weiteren Klischees, die das Urlauberherz höher schlagen lassen. Italien ist für Urlauber pure Lebenslust! Auch die Berge im Norden sind inzwischen in fester Touristenhand. Egal, ob im Mount Blanc-Gebirge, das genau zwischen Italien und Frankreich liegt oder in den Dolomiten, die zum UNESCO Weltnaturerbe zählen, ein Trip ins Land des guten Geschmacks ist immer eine Reise wert. Was man aber nicht auf der Uhr hat, ist mit dem Snowboard im Kofferraum in den Süden des Landes zu fahren, genauer gesagt nach Sizilien, der Insel unter der Schuhsohle des Stiefels.

Das Abenteuer kann beginnen: Marco, Ethan und Simon starten ihren 1. Hike in Richtung Vulkankrater | © Roby Bragotto
Das Abenteuer kann beginnen: Marco, Ethan und Simon starten ihren 1. Hike in Richtung Vulkankrater | © Roby Bragotto

Auf Sizilien kann man sich nicht nur frische Meeresluft um die Nase wehen und in der Sommersonne zum Lobster brutzeln lassen, auf der Insel ragt auch im wahrsten Sinne des Wortes Europas höchster Dauerbrenner, der Ätna, empor. Der Vulkan ist mit seinen variablen 3.352 Metern, ein mächtiger Kollos auf der Insel, den man einfach nicht mit einem Snowboard-Trip in Verbindung bringen mag.

Marco Grigis steht Kopf und genießt inverted den Flug seines Bs 3ers | © Roby Bragotto
Marco Grigis steht Kopf und genießt inverted den Flug seines Bs 3ers | © Roby Bragotto

Der aktive Vulkan bringt die Erde in der Umgebung immer wieder zum Beben, was einen schnell auf den Boden der Tatsachen bringt, denn wenn hier die Erde wackelt und der Schlund Aschewolken in den Orbit bläst, wird schnell klar, wie klein und hilflos man als Mensch gegenüber der Natur doch ist. Es kommt auch immer wieder vor, dass die hier im Vulkangebiet lebenden Menschen aus Vorsichtsmaßnahmen evakuiert werden. Völlig konträr ist auch die Landschaft rund um den Berg. In den tieferen Lagen bis 1.500 Meter ist es saftig grün, oberhalb der Baumgrenze wird es karg und mit etwas Vorstellungskraft erinnert dort oben das Gelände an den Mond. Mystisch anmutende Lavafelsen und die Krater rundherum lassen den Ort surreal erscheinen.

Different Vision Production – Ethan, Simon und Marco in Italien

„Für einen passionierten Snowboarder wie mich, ist dieses höchst unruhige Gebirge ein echtes Abenteuer“, meint Fotograf Bragotto. Oberhalb von 2.000 Metern liegt auf dem Ätna Schnee, von November bis April ist die Region sogar schneesicher, sodass man jederzeit dort oben auf dem „Mond“ eine Session einlegen kann. Es ist nicht das größte Gebiet mit dem besten Schnee, dafür aber einer der exotischsten Orte auf Erden zum Snowboarden! Bei klaren Sichtverhältnissen, bietet der Ätna einen unvergesslichen Panoramablick auf das Meer, während hinter einem der Schlund brodelt und pufft. „Es ist ein unglaubliches Gefühl, da oben in der Bindung eingestrappt zu stehen und zu sehen, dass man sich auf einer Insel inmitten des Meeres befindet und gleich mit seinem Brett auf Schnee den Berg hinuntergleiten wird“, so Bragotto weiter.

Simon Gruber, Frontside Rodeo | © Roby Bragotto
Simon Gruber, Frontside Rodeo | © Roby Bragotto

Um nach Sizilien zu gelangen, ging es für die Crew einmal quer durchs Land. Das Problem in Italien ist, dass die Autobahnen nicht annähernd so gut ausgebaut sind wie beispielsweise in Deutschland. Deshalb musste sich die Herrengesellschaft über etliche Hügel, Berge und unendlich viele Serpentinen in Richtung Süden vorkämpfen. Nach der ersten langen Etappe, entschieden Ethan & Co. einen Zwischenstopp zur Übernachtung in Rom einzulegen. Und wie sollte es anders sein, landeten sie in einer Pizzeria, in der sie ausgiebig das leckere Essen und die Gastfreundschaft genossen, bevor die Pros hundemüde mit vollen Bäuchen in ihre Hotelbetten plumpsten. Am nächsten Morgen ging es schon früh in Richtung Fähre weiter. Nach dem Übersetzen vom Festland nach Sizilien, war das Ziel zum Greifen nah. Gezeichnet von der langen Anreise, aber voller Vorfreude, steuerte die Crew in Richtung der kleinen Stadt Catania, wo sie in der Nähe mit dem Chalet „Rifugio Ariel“ eine würdige Bleibe gefunden hatten. Leider war der Ätna bei der Ankunft nicht zu sehen, da der Nebel die Berge in seinem Schleier verhüllte. Nichtsdestotrotz herrschte schon jetzt eine magische Atmosphäre, denn wie sich herausstellte, war der Nebel nichts anderes als Dämpfe, die aus dem Inneren des Ätnas die Umgebung einnebelten.

Ohne Worte … | © Roby Bragotto
Ohne Worte … | © Roby Bragotto

Am nächsten Morgen hatte sich der Dunst aufgelöst und der Crew bot sich von der Unterkunft aus eine traumhafte Sicht auf den Vulkan. Weiße Asche stieg aus dem Krater empor, die sich wenige Minuten später mit schwarzer Asche zu einer gewaltigen grauen Masse vermischte. „Wir waren von dem Naturschauspiel schwer beeindruckt und hingen wie kleine Kinder an der Scheibe und beobachteten das Wolkentreiben“, erinnert sich der italienische Fotograf. Die Faszination wich aber doch relativ schnell dem Wunsch, sofort dort hinaufzukommen und so fand sich der Trupp keine 30 Minuten später im Lift nach oben – immer den Blick auf den majestätischen Vulkan mit seiner Aschewolkenkrone gerichtet.

Marco Grigis, Method | © Roby Bragotto
Marco Grigis, Method | © Roby Bragotto

Die Bedingungen waren perfekt, um „off the beaten path“ zu gehen und nach Spots zu suchen. Dank der jahrelangen Backcountry-Erfahrung der Crew, waren die richtigen Spots auch schnell ausfi ndig gemacht. Beim Hiken mussten sie allerdings aufpassen, dass die Schneeschicht dick genug war, denn unter dem Weiß verbarg sich eine messerscharfe Lavaschicht. Nach dem ersten Erkundungstag am Ätna stand für das Team fest, dass sie länger an diesem unwirklichen Ort verweilen wollten und entschlossen sich kurzerhand dazu, eine ganze Woche anstatt nur drei Tage dort zu bleiben. „Wir hatten keinen Powder und auch keinen Park, aber die magische Anziehungskraft des Vulkans und seiner Umgebung, verpasste uns eine Dosis Stoke der besonderen Art“, schwärmt Bragotto. Sie fuhren jeden Morgen mit dem Lift auf den Berg und waren einfach glücklich an diesem exotischen Winterort sein zu dürfen, dass sie überhaupt nicht merkten wie die Zeit verstrich.

Oberhalb der Baumgrenze beginnt der Mond | © Roby Bragotto
Oberhalb der Baumgrenze beginnt der Mond | © Roby Bragotto

Wer hätte es für möglich gehalten, dass man auf einer so mediterranen Insel wie Sizilien eine ist, derartig gute Schneeverhältnisse vorfinden würde? „Wenn wir uns nicht selbst ein Bild davon gemacht hätten, welches Potenzial der Ätna zum Snowboarden bietet, würden wir es bis heute nicht glauben.“ so Bragotto weiter. Um das gelungene Vulkan-Abenteuer gebührend zu feiern, fuhren die Jungs in das kleine, gemütliche Catania, einer der schönsten Ortschaften Siziliens. Dort angekommen entschieden sie sich für eines der traditionellen Fischrestaurants, die es auf Sizilien wie Sand am Meer gibt. Nach unzähligen Flaschen Wein, waren die Herren dann auch bedient und hundemüde und wollten nichts mehr, als einfach ins Bett zu gehen. Am nächsten Morgen waren zwar alle ziemlich gerädert von der letzten Nacht, doch sie wollten unbedingt noch einmal ans Meer, um eine Surfsession einzulegen. Denn für die, die es noch nicht wussten, neben der Möglichkeit Snowboarden zu gehen, kann man bei passenden Swell-Bedingungen auf Sizilien auch ganz passabel surfen. Und da am Vorabend der Swell-Forecast gecheckt wurde, war klar, dass die Surfbedingungen äußerst vielversprechend aussahen. Nach dem Frühstück gings in Richtung Meer. Eine weitere Besonderheit Siziliens – die Möglichkeit zu haben, innerhalb von kürzester Zeit vom Skigebiet an die Surfspots zu gelangen. Einfach ein Traum für jeden Brettsport-Aktivisten!

Snowboarden, Vulkan, Pizza und Surfen an einem Tag. Welcome to Sicilia! | © Roby Bragotto
Snowboarden, Vulkan, Pizza und Surfen an einem Tag. Welcome to Sicilia! | © Roby Bragotto

Man muss also nicht ins weit entfernte Alaska oder nach Japan reisen, um solche besonderen Bedingungen vorzufinden. Es reicht, wenn man nach Sizilien fährt, denn keine andere Region Europas vereint warme Küsten und schneebedeckte Berghänge so sehr wie Sizilien. Abschließend erklärt Roby sichtlich gestoked: „Eines ist für mich sicher: Ich war selten so beeindruckt auf Reisen und werde wiederkommen, und das sobald wie möglich, um mir eine weitere Portion ShrÄtna-Stoke abzuholen!“

Aus: Prime Snowboarding Magazine #15

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