Ein Fliegengewicht auf der Waage, aber ein Schwergewicht in Sachen Style. Kevin Backströms Background, seine Einstellung zu Contests, wie Bynd x Mdls entstanden ist und warum er heute in russischen Hotelzimmern lieber die Vorhänge zulässt, erfahrt ihr hier im Interview.

Old but gold! Kevin zieht einen astreinen und zeitlosen Fs 3er vor der Dampfwolke des Schlots im japanischen Asahidake | © Howzee
Old but gold! Kevin zieht einen astreinen und zeitlosen Fs 3er vor der Dampfwolke des Schlots im japanischen Asahidake | © Howzee

Kevin Backström – die eine Hälfte des legendären Beyond Medals-Duos, sorgt schon seit einigen Jahren mit seinen Parts in seiner Webserie wie auch in großen Filmproduktionen für Begeisterung. Er ist einer jener Fahrer, die den Stoke des Snowboardens mit einem simplen Backside 180° perfekt nach draußen transportieren können. Außerdem besitzt er genau die richtige Portion an Rock’n’Roll-Attitüde, die man bei anderen Pros heute oftmals ein wenig vermisst.

Kevin, du hast uns über die letzten Jahre in schöner Regelmäßigkeit mit einer Menge stylischem und gleichwohl unterhaltsamem Snowboarden versorgt, dennoch hatten wir bisher nicht die Möglichkeit für ein Interview. Es ist also wirklich an der Zeit, das zu ändern! Lass uns noch ein wenig zurückblicken: Wann hast du dich zum ersten Mal auf ein Snowboard gestellt?
Ich war ungefähr vier Jahre alt, als ich mir zum ersten Mal ein Snowboard geschnappt habe. Mein älterer Bruder war damals schon völlig angefixt und ich war super neidisch auf ihn. Denn während er schon mit seinen Jungs Snowboard fahren ging, eierte ich noch immer auf meinen Skiern durch die Gegend. Meine Eltern gaben schließlich nach und schenkten mir zu Weihnachten mein erstes Board. Allerdings konnten sie keine Softboots in meiner Größe finden, doch zum Glück trieb mein Dad irgendwo ein Brett mit Hardboots auf, die mir passten. Mir war das völlig egal, ich wollte einfach nur Snowboarden! Ob mit Hard- oder Softboots, war mir zu dem Zeitpunkt gleichgültig. Im darauffolgenden Winter bekam ich dann aber schon mein erstes Setup mit richtigen Boots und Bindungen.

Just another day at the office! Bei diesem Anblick von Kevins Alltag versteht man warum er sich gegen das Contest-Riding entschieden hat | © Howzee
Just another day at the office! Bei diesem Anblick von Kevins Alltag versteht man warum er sich gegen das Contest-Riding entschieden hat | © Howzee

Was hat dich am Snowboarden so fasziniert?
Am Anfang war es vor allem die Geschwindigkeit. Ich wollte die Hänge so schnell ich nur konnte hinunterschießen, das hat mich gehypt. [lacht] Bald darauf fing ich damit an, die kleinen Sidehits an den Pisten zu fahren und erste Tricks auszuprobieren. Damit tat sich eine völlig neue Welt für mich auf, es gab so viel zu lernen! Dieses Gefühl habe ich noch heute, Snowboarden ist für mich nie Routine, nie langweilig geworden. Es muss kein 1080° sein, ein neuer Butter-Trick oder etwas in der Art stoked mich noch immer am meisten.

Gab es um dich herum damals eine starke Szene, hattest du viele Freunde, mit denen du Snowboarden gehen konntest?
Wir hatten tatsächlich eine ziemlich aktive und lebendige Szene, wenn man bedenkt, dass ich im Süden Schwedens aufgewachsen bin. Der einzige Berg, der uns zur Verfügung stand, war ein kleiner Hügel mit drei Schleppliften. Einmal pro Woche trafen wir uns dort mit unserem Snowboard-Club zum Flutlichtfahren, das hat eine Menge Spaß gemacht. Insgesamt waren wir wohl so um die 80 Kids, die zusammen aufgewachsen und fahren gegangen sind. Eine sicke Zeit! Ich hatte zwei gute Freunde, Jakob und Jonathan, mit denen ich damals viel unterwegs war. Ich wünschte, sie wären dabei geblieben, denn sie waren echt gut, viel besser als ich! Ich war lange nicht mehr dort, aber soweit ich weiß, ist die ganze Szene dort ziemlich ausgestorben. Verdammt schade.