Wäre Snowboarden ein Konzert, so waren noch vor 5 Jahren die Freestyler der gehypte Hauptakt, die Freerider waren bestenfalls die Vorband vom Dorf.

Warum dem so war ist eigentlich schnell erklärt: kein Mensch kannte die Namen der  Starter, die oft, gelinde gesagt, nicht das Niveau hatten, ihren Namen durch starke Videoparts oder durch andere Plattformen mit großem Zuschauer Spektrum in die Welt zu tragen. Ohne zynisch zu werden kann man behaupten, dass wohl jeder ambitionierte Hobbysnowboarder einen Fahrer im engeren Freundeskreis hatte, der sich bei der Freerideworldtour zumindest nicht blamiert hätte. Und das diese Aussage nicht überzogen formuliert ist zeigte sich vor allem dann, als Snowboardpros wie Elias Elhardt, Gigi Rüf oder auch Travis Rice sich die Ehre gaben und prompt die ersten Plätze unter sich ausmachten, ohne das Format jemals zuvor gefahren zu sein. Mittlerweile ist das Niveau jedoch so hoch, dass man sich ungläubig die Augen reibt, ob dem was die Jungs und Mädels da in den Schnee zaubern.

Freeride World Tour – Das Niveau ist gewaltig gestiegen

Selbst ein Altmeister wie Gigi Rüf hat bei den Stops kein Abonnement mehr auf einen Podiumsplatz und die Fahrer heißen eben nicht mehr Max Mustermann und Konrad Kennichnicht sondern Victor De La Rue, Nils Mindich oder eben auch mal Travis Rice oder Elias Elhardt (die nicht bei der gesamten Tour an den Start gehen). Umso erstaunlicher, dass sich ein amerikanischer Noname an die Spitze dieses unglaublich starken Fahrerfelds setzen konnte: der erst 20-jährige Blake Moller. Und wir wissen nicht wie es euch geht, aber wir haben keinen Fahrer im engeren Freundeskreis, der mal eben Back 7s von einem 10 Meter Cliff macht. Wir haben den Fahrer, der außer hartgesottenen Experten wohl alle überrascht hat, vor wenigen Tagen interviewed.

Interview Blake Moller
Wir zumindest haben keine Leute im Freundeskreis, die so über Cliffs senden. Blake Moller ist ein Mann ohne Angst und einem ganzen Haufen Skills.

Interview Blake Moller

 

Hey Blake, bist du eigentlich das erste Mal in Europa?

Nein. Ich war schonmal in Europa. Ich bin früher die Youth Championships in der Pipe gefahren und war vor ungefähr 6 Jahren mal in der Schweiz für einen Contest. Kurz danach habe ich mir noch einen Contests meines Bruders in Verbier angeschaut. Extrem beeindruckend dieses massive Face dort.

Fährt dein Bruder auch auf der Freerideworld Tour?

Nicht mehr. Außerdem fährt er Ski! Aber er versucht gerade sich wieder zu qualifizieren, ich glaube er hat gute Chancen bald wieder dabei zu sein.

Ok. Skifahren finden wir gar nicht mal so cool. Fährt sonst noch jemand in deiner Familie Snowboard?

[lacht] Nein. Ich bin tatsächlich der einzige. Aber mein kleiner Bruder überlegt gerade zu wechseln. Ich hoffe schwer dass das was wird.

Durch wen bist du dann eigentlich zum Freeriden gekommen?

Durch meinen großen Bruder. Ich hatte eigentlich ganz gute Akrobatik Skills aus der Pipe, sie im Powder anzuwenden hat aber noch viel mehr Spaß gemacht. Ich bin meinem Bruder und seinen Freunden immer ins Back Country gefolgt. Das war mein erster Kontakt. Ich war sofort Feuer und Flamme.

Dieses Jahr ist dein Premierenjahr auf der FWT. Nach drei gefahrenen Stops bist du gleich mal auf Rang 1. Hättest du mit diesem Erfolg gerechnet?

Interview Blake Moller
Überraschungsleader Blake Moller. Von dem Jungen dürfte noch einiges kommen!

Eigentlich wäre ich ja bereits letztes Jahr für die Tour qualifiziert gewesen, hatte aber eine schwere Knieverletzung und konnte deshalb nicht starten. Die FWT hat mir aber eine Wildcard für die nächste Saison ausgestellt was super cool war. Das Fahrerfeld wird von Jahr zu Jahr stärker, insofern habe ich ganz und gar nicht damit gerechnet. Ich bin sehr überrascht. Und natürlich happy.

Glaubst du das der Titel drin ist?

Die Frage zu beantworten ist nicht möglich. Klar hoffe ich darauf. Aber wie bereits gesagt: das Niveau ist sehr hoch, man hat nur einen einzigen Run, hier kann wirklich jeder gewinnen.

Gibt es einen Fahrer auf der Tour, der dich besonders beeindruckt, den du besonders bewunderst?

Ich war schon immer ein großer Fan von Gigi Ruf, jetzt gegen ihn antreten zu dürfen ist wirklich ein Ritterschlag für mich. Vor allem ihn kennen zu lernen war großartig. Von ihm kann ich wirklich noch eine Menge lernen.

Was denkst du vom Format des Contests der ja pro Fahrer nur einen Run vorsieht?

Es ist extrem hart für nur einen einzigen Run einmal quer um die Welt zu fliegen. Ich hätte gerne zwei Runs, es wäre vor allem auch leichter, härtere Tricks einzubauen wenn man den Run vorher mal gefahren ist. Nur auf Sicht (die Rider studieren das Face lediglich mit dem Fernglas Anm.d.Red.) ist es schon sehr schwierig sein bestes Snowboarden im ersten und einzigen Run zu zeigen. Andererseits macht das Ein-Run System den Wettbewerb härter und so kann wirklich immer jeder Teilnehmer gewinnen.

Sehen wir Blake Moller nächstes Jahr bei der Natural Selection Tour?

Mal sehen. Dieses Jahr wurden die FWT Sieger ja eingeladen. Falls ich gewinne bin ich  vielleicht dabei. Das wäre wirklich ein verdammter Traum dort an den Start zu gehen. Dort starten die besten Backcountry Fahrer der Welt, dort einfach nur dabei zu sein wäre bereits unglaublich.

Warum glaubst du dass in der NST größere Namen dabei sind als auf der FWT?

Ganz klar: es ist ein invitational Contest. Travis konnte die Fahrer einfach einladen und wer kommt nicht wenn Rice anruft? Für die FWT muss man sich erstmal qualifizieren. Das ist natürlich ein viel größerer Aufwand.

Wie steht es um den Bekanntheitsgrad der FWT in den Staaten?

Es ist leider noch nicht sehr bekannt. Viele meiner Freunde haben am Anfang gar nicht so richtig gecheckt, was ich da eigentlich mache.

Und das obwohl so viele Amerikaner an den Start gehen?

Ja. Eigentlich komisch. Aber ich glaube, dass sich das gerade etwas ändert und die Menschen die FWT auch in den Staaten mehr wahrnehmen.

 Du bist in den Staaten aufgewachsen und fährst nun die FWT ausschließlich in Europa. War es schwer sich auf die anderen Schneeverhältnisse anzupassen?

Interview Blake Moller
Das ist zwar kein kalter Rauch, aber auch in Europa kann man schöne Turns in den Pow ziehen.

Ja, das war schon eine massive Umstellung. Der Schnee hier ist nasser und und schwerer, vor allem dieses Jahr. Die Landungen werden dadurch sehr viel härter. In Utah wo ich herkomme ist der Schnee wie kalter Rauch. Das ist wirklich ein extremer Unterschied und es war am Anfang nicht so leicht sich umzustellen. Dafür ist es zuhause so extrem schnell verspurt. Viele Hänge sind geschlossen und es wird auch sehr genau überwacht das niemand da reinfährt, die Hänge die offen sind, sind meistens neben den Pisten und sind dementsprechend schnell verspurt. Das ist schon klasse in Europa. Hier kann man auch noch Tage nach dem Schneefall unverspurte Lines fahren wenn man ein wenig hiked.

Wie viele Stops fährst du diese Season noch mit?

Noch zwei: Fieberbrunn (Blake ist siebter geworden Anm.d.Red.) und Verbier. Vor allem auf Verbier freue ich mich unglaublich. Da stand ich damals als kleiner Junge um meinem Bruder zuzusehen und war extrem beeindruckt, ja fast eingeschüchtert von dem Face. Mal sehen wie es dieses Jahr auf mich wirkt.

Wenn man sich die NST angeschaut hat, könnte man meinen, es gibt kein Global Warming in den Staaten?

Das war leider nur eine Momentaufnahme, auch wir merken, das der Schnee immer später kommt und es jedes Jahr weniger wird. Das ist echt traurig. Wir müssen alle unseren Teil dazu beitragen diese Entwicklung aufzuhalten oder zumindest zu entschleunigen.

 

Falls ihr mehr über Blake Moller erfahren wollt, könnt ihr ihm auf seinem IG Channel folgen.

 

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