Nachwuchsarbeit ist eine wichtige Angelegenheit für die Zukunft des Snowboardens. Wir haben uns mit vier Team-Managern über ihre Arbeit unterhalten und stellen euch dabei gleich noch einen ihrer Zöglinge vor. Diese Woche: Lucien Koch aus dem Smith-Team.

Nachwuchsförderung ist eines dieser holprigen deutschen Wörter, die sich steif und kompliziert und auch ein wenig nach verstaubter Sporthalle und Turnvater Jahn anhören. Doch die Idee dahinter ist auch für Snowboarden von großer Bedeutung. Es wird zwar immer irgendwo Kids geben, die sich alleine durchkämpfen, für ihre Art des Snowboardens einstehen und möglicherweise sogar Erfolg damit haben, doch wenn Snowboarden wachsen und eine starke Basis haben soll, dann brauchen wir diese Nachwuchsförderung. Neben dem Verständnis von uns allen, dass diese Arbeit notwendig ist und wenn sie von den richtigen Leuten gemacht wird auch gut ist, braucht es die Unterstützung von Brands und Resorts. Wir haben uns mit vier Teammanagern aus verschiedenen Ecken unseres Sports unterhalten, um herauszufinden, was sie unter Nachwuchsförderung verstehen, worauf es ihnen dabei ankommt und was sie dafür tun.

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Lucien Koch mit einem Bs 540° Stalefish in Saas-Fee | Foto: Smith/Luca Crivelli
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Flo Rhiemeier, Teammanager bei Smith

Flo Rhiemeier ist European Snowboard Teammanager bei Smith. Auch wenn es keine firmeneigenen Nachwuchs-Programme oder Events gibt, die speziell auf junge Fahrer zugeschnitten sind, so ist die Wichtigkeit dieser Arbeit fest im Bewusstsein verankert. Die Zusammenarbeit mit dem Snowboard Verband Deutschland, der 2003 aus dem Zusammenschluss der German Snowboard Association mit der Snowboard-Abteilung des Deutschen Skiverbandes entstand, unterstreicht das. Was der Verband genau macht, habt ihr ja bereits in unserem People-Interview mit Friedl May zu Beginn dieser Ausgabe erfahren. Die Zusammenarbeit mit Smith ist ein Beleg dafür, dass die Arbeit des Verbandes mehr und mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung durch die Industrie findet. Die Kids werden zunächst mit Material unterstützt, denn für Flo hat sich über die Jahre, die er den Job nun schon macht, eines gezeigt: Es kann schwierig werden, wenn Kinder zu früh mit finanziellen Mitteln unterstützt werden. Den Kids ist das zunächst einmal egal, denn sie wollen snowboarden. Aber diejenigen, die hinter ihnen stehen, sehen möglicherweise eine Chance für ihre Zöglinge, mit diesem Hobby Geld zu verdienen. Dann kann es passieren, dass nicht mehr das Snowboarden an sich im Vordergrund steht, sondern der Erfolg. Natürlich wird den Kindern unter die Arme gegriffen, wenn es um Dinge wie Anreise oder Suche nach Unterkünften bei Contests geht. Wichtig ist für Flo jedoch, dass sich die Kids zunächst möglichst frei entwickeln können und ihre Motivation und Begeisterung für den Sport beibehalten. Sobald sie in die Sache reingewachsen sind und einen eigenen Erfolgsanspruch entwickeln, macht auch eine finanzielle Unterstützung Sinn. Gibt es also so einen Nachwuchsfahrer/in, der auf einem guten Weg ist, werden alle Möglichkeiten genutzt, um ihn bekannter zu machen. Sei es über die eigenen Social Media-Kanäle oder eben über Magazine wie hier im Prime Snowboarding. Schafft ein Fahrer später den Sprung ins Europa-Team, wird er auf Anzeigen gefeaturet und bei Foto- und Filmproduktionen unterstützt.

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Lucien Koch

Im Fall von Lucien Koch war es so, dass ihn sein Vater früh bei Flo vorgestellt hat und von ihm dann zunächst mit Material versorgt wurde. Lucien entwickelte sich so, wie sein Teammanager es sich gewünscht hatte und schaffte nach vier Jahren Zeit den Sprung vom Schweizer Team ins Europa-Team: „Lucien hat sich schon recht früh auf Contests konzentriert und bereits kurz nach der Aufnahme ins Europa-Team mit seinem dritten Platz beim freestyle.ch bewiesen, was in ihm steckt. Was ich an ihm besonders schätze ist seine Arbeitsmoral und seine Einstellung zum Snowboarden. Außerdem hat er bereits jetzt einen wirklich schönen Style und passt sehr gut zum Rest des Teams. Mir kommt es nicht darauf an, ob ein Fahrer/in Contests fährt, Backcountry oder Street, sondern darauf, wie er mit seinem Charakter und seinem Bezug zum Snowboarden zu uns als Marke und zum Rest des Teams passt.“

Aus: Prime Snowboarding Magazine #05

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