Interview: Peter Sandner

Peter Sandner war einst einer der jungen Wilden, die im Snowboarden ein Ventil für ihre überbordelnde Energie gefunden hatten. Snowboarden war jedoch schon immer mehr als nur Dampf ablassen, es beansprucht einen großen Teil im Leben. Und welcher Ort wäre besser für dieses Leben geeignet als Innsbruck? Gute zehn Jahre ist es nun her, dass Peter nach Innsbruck kam und von langsam machen kann bei ihm nicht die Rede sein. Wir wollten wissen, was ihn noch immer an der Stadt fasziniert.

© Privat
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Peter, trotz deines jungen Alters bist du ein Snowboard-Urgestein hier bei uns. Wie lange wohnst du schon in Innsbruck? Eigentlich wohne ich „erst“ seit 2006 in Innsbruck, davor habe ich in Sistrans gewohnt. Allerdings hat mich die Stadt schon immer mehr gereizt als das Landleben. Mittlerweile würde ich mich als richtigen „Stadtler“ bezeichnen. Was hat dich an der Stadt gereizt? Snowboarden schlug Anfang bis Mitte der 1990er bei uns wie eine Bombe ein, es gab kaum Kids, die nicht jede freie Minute auf der Gruabn oder in der Axamer Lizum verbrachten. Wir eroberten mit unserem neuen Sport und dem dazugehörigen Lifestyle die Berge und das Nachtleben. Es gab zwei, drei Lokale in der Stadt, in der sich die ganze Szene mitsamt der Pros traf. Heute ist die Szene kleiner, aber auch differenzierter. Früher hatte man ein Snowboard und war dann automatisch dabei. 

Peter Sandner – Season-Edit 2016

Innsbruck ist für viele noch immer die Metropole des Snowboardens und zieht auch eine Menge Nicht-Österreicher an. Welche Vor- und Nachteile bringt das mit sich? Ender der 1990er begann es multikultureller zu werden. Neben internationalen Fahrern nutzten auch viele deutsche Studenten die Möglichkeit, um neben dem Shredden hier ein wenig zu studieren. Mir persönlich hat das immer getaugt, der Stadt und vor allem dem Nightlife wurde durch den Zuzug neues Leben eingehaucht. Auch die Gebiete erkannten das Potenzial und investierten entsprechend in den Ausbau der Parks. Ich glaube nicht, dass der Park auf der Seegrube ohne diesen Boom hätte entstehen können. Ich kann nichts Negatives an dieser Entwicklung erkennen. Ich bin ein sozialer Typ und teile gerne! [lacht] Gibt es etwas, dass du aus den „good old days“ vermisst? Die Leute waren damals begeisterungsfähiger im Bezug auf den Sport. Wir waren eine starke Bewegung, es hat echt Spaß gemacht, wenn 20 bis 30.000 Snowboard-Freaks mitsamt den zugehörigen Bands den Air & Style Innsbruck und dann auch Seefeld unsicher gemacht haben. 

Ein Moment aus "3FWB" | © Sani Alibabic
Ein Moment aus „3FWB“ | © Sani Alibabic

Und was ist heute besser als damals? Unser Riding! Uns stellt’s nicht mehr so oft auf wie damals. Aber auch die Gebiete, die Parks, die Ausrüstung und die Saisontickets haben extrem an Qualität hinzugewonnen, das muss man schon sagen. Und die Infrastruktur ist sick! Was war für dich der wichtigste Anlaufpunkt in der Stadt, wo du dich mit neuem Stuff und Updates aus der Szene versorgen konntest? Neben Sani Alibabics Wohnung und diversen WGs, wo es neben dem Fame der Pros auch die neuesten Videos und Drinks abzustauben gab, war sicherlich das X-Double der Place-to-be in Innsbruck. Leider führt der Shop keinen Snowboard-Stuff mehr, also muss man sich wieder in diversen Lokalen zum Gedankenaustausch treffen. Auf WG-Partys werden wir leider nicht mehr eingeladen. Keine Ahnung, warum… [grinst]

One more for the books: Peter bei seiner Lieblingsbeschäftigung | © Sani Alibabic
One more for the books: Peter bei seiner Lieblingsbeschäftigung | © Sani Alibabic

Wer sind für dich die „Local Heroes“ von Innsbruck aus den letzten Jahren? Innsbruck brachte eine Vielzahl herausragender Pros hervor. Unter ihnen stechen für mich besonders Tommy Brunner (R.I.P.), Nando Plötzeneder und Paul Burger heraus. Ich hatte das Glück, einige Sessions mit ihnen fahren zu dürfen und Zeuge ihres großen Talents zu werden. Aber der Oberchef war und ist für mich Sani Alibabic. Er ist einer der einflussreichsten und stylischsten Fahrer aus IBK, gibt noch immer Vollgas und versteckt sich nicht mit einem Splitboard im Backcountry. Zumindest nicht immer! Wie siehst du den Air & Style?  Ich fühle mich dem Air & Style sehr verbunden. Als Zuschauer war ich auf jedem Contest inklusive Seefeld und München und absoluter Fan des Events. Die Kombination von Sport und Musik hat mich immer sehr angezogen. Umso trauriger bin ich, dass es nun nach dem Ende des Formates in Innsbruck aussieht. Aus der Stadt ist es auch nicht weit auf den Stubaier Gletscher. Gibt es einen Run, den du unseren Lesern verraten kannst oder willst? Der Gletscher ist optimal, um sich im Herbst einzufahren und die ersten Runs im Park zu fetzen. Powdertipp für die Leser? Konzentriert euch im Hochwinter auf den unteren Teil des Gletschergebietes! Innsbruck und Snowboarden ist die eine Sache. Was hat die Stadt im Sommer zu bieten? Besonders in der studienfreien Zeit ist es um einiges ruhiger. Die Berge bleiben allerdings da und die Downhill-Situation wird auch immer besser. Ein Party-Muss ist auf jeden Fall das Bonanza-Festival Anfang Juli. Solltet ihr auschecken!