K2 Alchemist – wir haben letzte Saison die 10 besten All Mountain Boards unter die Lupe genommen und euch auf Instagram abstimmen lassen, welches denn das Beste der Besten ist, quasi das Alphatier im All Mountain Segment.

Mit überraschender Klarheit hat das K2 Alchemist das Publikumsvoting gewonnen und obwohl uns das Brett im Test sehr zugesagt hat, waren wir von der Einstimmigkeit des Votings doch recht überrascht und wollten das Board dem Härtetest unterziehen. Vor allem wollten wir wissen, inwieweit sich das Nachfolgemodell des letztjährigen Alchemist vom diesjährigen Modell unterscheidet.

K2 Alchemist 2022 Modell – erster Eindruck

Je edler die Hülle desto größer die Kaufbereitschaft des Kunden. Multisensorisches Marketing dürfte den Ingenieuren von K2 kein Fremdwort sein und eine schöne Verpackung erhöht die Kaufbereitschaft des Kunden eben nicht nur bei einer Packung Chips sondern auch bei einem Snowboard. Das Spaceglass ist neu und ein absoluter Blickfänger. Es soll angeblich das Rotationsgewicht reduzieren und den Kantenhalt erhöhen, wie auch immer das funktionieren soll: es ist relativ egal, das Spaceglass ist optisch extrem ansprechend und es scheint sich auf jeden Fall nicht nachteilig auf die Performance des Boards auszuwirken, in diesem Sinne: immer her damit! Aber der entscheidendere Wirkverstärker ist von unscheinbarerer Natur: die Oberflächenhaptik! Es ist schwer zu beschreiben aber das SnoPhobic Topsheet, wie es die K2 Ingenieure nennen, löst sensorische Orgasmen aus.  Generell fühlt sich das ganze Brett sehr hochwertig an und sieht auch so aus; es hebt sich so doch deutlich von Brettern mit klassischen Plastik Topsheets ab, vergleichbar mit einem Schweizer Taschenmesser im Chinashop.

 

K2 Alchemist
Die Oberfläche fühlt sich beinahe seidig an. Klingt blöd, ist aber so. Pic: Adrian Formella

K2 Alchemist 2022 Härtest

Wir haben das Alchemist bei schweren Schneebedingungen und schlechter Sicht auf den Hintertuxer Gletscher entführt und es dort auf Herz und Nieren getestet.

Topsheet

Anfangen wollen wir gleich mit dem vorher angesprochenen SnoPhobic Topsheet: das Ding sieht nicht nur gut aus und fühlt sich gut an, der Schnee gleitet dermaßen gut davon ab, dass wir die Bindung wohl auf die Base geschraubt hätten, wäre da nicht der lästige Hub in Nose und Tai gewesen. Es gibt aber leider einen Haken an dem Topsheet: es scheint relativ anfällig für Kratzer zu sein, was wiederum die Abgleiteigenschaften von Schnee auf Dauer beeinträchtigen dürfte. Falls ihr also damit im Skigebiet unterwegs sein solltet: lebt die Philosophie des wohl beliebtesten Teenie Snowboard Aufklebers: Get your fucking rental skis of my snowboard“! Abgesehen von diesem Manko sicher eines der besten Topsheets, die momentan auf dem Markt im Einsatz sind.

K2 Alchemist – Torsionssteifigkeit und Shape

Bei dem Brett handelt es sich um ein sehr steifes All Mountain Board, K2 gibt hier 9/10 an, also hier spielen wir wirklich an der Obergrenze. Bedauerlicherweise leidet bei derart steifen Brettern der torsionale Flex oft arg. Aber auch hier hat der neue K2 Ingenieur Justin Clark bewiesen, das Qualität kein Zufall, sondern das Ergebnis angestrengten Denkens ist: Mit einem neuen Layerverfahren Namens „Spectral braid“ (warum können sich hier Firmen nicht auf eine einheitliche Bezeichnung einigen, damit jeder gleich weiß was gemeint ist?) wird ein Torsionales Flexverhalten unabhängig von Tip- und Tailflex ermöglicht. Und tatsächlich ist das Brett trotz seiner Härte überraschend agil, hält aber auch in widrigen Bedingungen super die Kante. Das Brett hat einen klassischen Camber bis hinter den vorderen Fuß, danach kommt der Rocker für ein besseres Aufschwimmen. Durch die Härte des Boards bleibt es auch bei hoher Geschwindigkeit sehr ruhig, man sollte allerdings zu jeder Zeit wissen was man macht, denn fehlerverzeihend geht anders.

k2 Alchimist 2022
Hält auch bei schlechten Bedingungen eine gute Kante. Das K2 Alchemist ist ein richtiges Backcountry Schwert. Pic: Adrian Formella

K2 Alchemist – Base

Carbon Infused Sintered Base 5500: der schnellste Belag, den es bei K2 für Geld zu kaufen gibt. Wir waren mit ein paar Freunden am Berg, die Allmountain Bretter anderer Firmen fuhren und auf den flachen Ausläufern zog das Alchemist regelmäßig vorbei. Der Belag ist allererste Sahne, eines sei aber erwähnt: so ein Belag braucht intensive Pflege. Wenn ihr zu der Riege an Fahrern gehöft, die ihr Brett jeden dritten Winter wachst, dann ist von diesem Brett abzuraten. Black Beauty will gestreichelt werden.

K2 Alchemist
Tom Deanovic auf dem Vorjahresmodell. Der Belag ist schnell in der Luft und am Boden. aber er muss gepflegt werden, um ihn lange zu erhalten. Pic: Adrian Formella

Alchemist 2021 vs. Alchemist 2022 – was sind die Unterschiede?

Key Features Alchemist 2022

  1. SnoPhobic Topsheet,
  2. SpaceGlass™ Tip ,
  3. Spectral Braid™,
  4. Bambooyah™ Pro Core
  5. Carbon Infused Sintered 5500 Base

Key Features Alchemist 2021

  1. Directional Camber Profile,
  2. Bambooyah™ Pro Core
  3. Triax Glass
  4. Spectral Braid
  5. SpaceGlass™
  6. Carbon Infused 5500 Sintered Base

 

K2 Alemist 2021 vs. K2 Alchemist 2022 – all the same?

Auf den ersten Blick unterscheiden sich die Bretter weder optisch besonders, auch die Key Features sind mehr oder weniger gleich geblieben. Beide Bretter haben einen super Belag, beide Bretter haben das Space Glass zur Gewichtsreduktion, beide Bretter haben das Spectral Braid. Aber unterscheiden sie sich in der Performance?  Hier muss man überraschenderweise mit einem klaren Ja antworten. Der fundamentalste Unterschied liegt in der Nose. Allein durch das Spaceglass wird die größere Breite der Noseschaufel des 2021 Modells sichtbar. Was man allerdings nicht auf anhieb sieht ist der länger gezogene Rocker des grünen Alchemisten. Das mag für mellow Treeruns entspannt sein und das Vorgängermodell schwimmt in Flachstücken mit langsamer Geschwindigkeit tatsächlich ein wenig besser als sein jüngerer Bruder. Aber gerade in steilen Faces und schnellen Passagen spielt das neue Alchemist seine Stärke besser aus: der Noserocker der 2021er Version ist etwas zu früh angesetzt und die Schaufel für unseren Geschmack etwas zu stark gerockert. Was in flachen Stücken mehr Auftrieb gewährleistet entfaltet, bei hoher Geschwindigkeit beinahe eine Art Bremswirkung, da der Schnee sich bei hoher Geschwindigkeit aufschiebt und die Nose etwas nach hinten biegt (Dieses Problem haben extrem viele Powderbretter/All Mountain Boards).

k2 Alchemist 2021
In flacheren Waldstücken wie diesem ist kein Unterscheid erkennbar. Tom Deanovic genießt den wohl letzten Powdertag der Saison. Pic: Adrian Formella

Im neuen Modell wurde der Rocker etwas später angesetzt, der Hub der Nose ist etwas flacher gehalten, da bleibt auch bei aller größter Geschwindigkeit alles da wo es sein soll und der ungewollte Bremseffekt bleibt selbst bei höchster Geschwindigkeit aus. Hier geht es allerdings um Nuancen, die man nur im obersten Leistungsbereich feststellen kann. Es ist uns bei unserem ersten Test 2020 mit dem grünen Alchemist  gar nicht aufgefallen, erst im direkten Vergleich haben wir den Unterschied bemerkt.

K2 Alchemist
Der größere Spaceglass Bereich akzentuiert die stärker gerockerte Nose des Vorgängers. Es ist vom Gelände abhängig, ob das zum Vor-oder Nachteil wird. Das Spaceglas im Tail dient der Gewichtreduktion. Warum es bei dem neuen Modell nicht zur Anwendung kommt? Wir wissen es nicht. Pic: Adrian Formella

 

Fazit:

In diesem Board steckt so ziemlich alles an Hightech, was man am Snowboardmarkt momentan mit Geld kaufen kann. K2 war in der Produktion des Alchemist extrem innovationsorientiert und hat mit einem erst 28-jährigem Justin Clark einen blutjungen, mutigen und äußerst fähigen Snowboard-Ingenieur engagiert, der einen sehr extravaganten und erfolgreichen Weg gegangen ist.

Das Brett zieht durch den Powder wie ein heißes Messer durch die Butter und der innovative Torsionsflex machen dieses Brett auch für Resortsfans interessant und vergrößern den Einsatz Bereich des Alchemist um ein Vielfaches. Obwohl uns das Alchemist aus der 2021er Season schon sehr zugesagt hat und eben auch das Publikumsvoting gewonnen hat, müssen wir sagen, dass das 2022ger Modell uns noch eine Nuance mehr überzeugt hat, vor allem durch die leicht veränderte Nose. Für wen kommt das Brett in Frage? Das Brett ist durch seine Steifigkeit sicher nichts für Anfänger, sollte aber durch die Innovation des Spectral Braid bereits von fortgeschrittenen Snowboardern ordentlich auf die Kante gestellt werden können, für Experten mit K2 Affinität ist dieses Brett allerdings beinahe ein Pflichtkauf. Es hat sich etwas bewegt in der Snowboardentwicklung und das ist auch gut so.

 

Wenn ihr euch nochmal unsere Lieblings All-Mountainboards anschauen wollt, könnt ihr das hier tun: prime-snowboarding.de

 

 

 

 

 

 

 

 

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