Wir haben uns mit Torstein Horgmo über seinen Part in Union’s „Stronger“ und seine Sichtweise auf das Snowboard-Film-Business unterhalten.

Torstein Horgmo hat sich seine Lorbeeren im Snowboarden redlich verdient. Seine Attitüde und sein Style sind unverkennbar und er gehört ohne Zweifel zu jener Sorte Pros, über die man auch dann noch lange sprechen wird, sollte er sich je entscheiden, die aktive Karriere an den Nagel zuhängen. Im Moment gibt es aber keinen Anlass zur Sorge und sein Part in Unions Team-Movie „Stronger“ ist der Beweis dafür. Was diesen Film so besonders für ihn macht, hat er uns hier im Interview verraten.

Torstein, seid wann bist du auf Union-Bindungen unterwegs?
Ich habe angefangen, Union-Bindungen zu fahren, lange bevor es irgendeinen Deal gab. Ich wollte etwas Neues ausprobieren, denn bisher war ich Burton-Bindungen gefahren und was immer ich auch sonst in die Hände bekommen habe. Das war vor ungefähr vier Jahren. Ein Jahr später haben wir dann über einen Deal gesprochen und seitdem bin ich offiziell auf Union unterwegs.

Wann hast du zum ersten Mal von den Plänen gehört, dass es einen Team-Movie geben soll?
Es gibt ein jährlich wiederkehrendes Event in Keystone, Colorado – das „Zumiez 100K“. Bei diesem Event treffen sich ein paar Pro-Skater und –Snowboarder mit Shopbetreibern und Leuten aus der Industrie und auch George [Kleckner, einer der beiden Gründer von Union; Anm. d.Red.] war vor Ort. Er erzählte mir von diesem Projekt, das er im Kopfhatte. Ich war damals noch voll mit „Shredtopia“ beschäftigt und die gesamte Saison mit der Shredbots-Crew unterwegs, aber George war es wichtig, die Leute, die später auch in das Projekt involviert sein sollten, frühzeitig zu informieren. Im letzten Herbst wurde es dann offiziell und wir wussten, dass es ein guter Film werden würde, denn er setzte alles daran, ein entsprechendes Budget aufzutreiben, um das Ganze richtig angehen zu können.

Torstein mit einem Fs 720° Tail Grab am Arlberg | © Andy Wright
Torstein mit einem Fs 720° Tail Grab am Arlberg | © Andy Wright

Du hast ja selbst einige Erfahrungen was Filmemachen betrifft. Hattest du Ideen im Kopf, für deinen Part oder den Film an sich, die du unterbringen wolltest?
Ich war nicht wirklich in die Vorbereitung involviert, es war mir nur wichtig, in der Post-Produktion einen Blick darauf werfen zu können, wie mein Part am Ende aussehen würde. Schlussendlich habe ich aber das Heft aus der Hand gegeben und ihnen vertraut, dass sie es gut machen werden. Bei den Shredbots-Edits und –Filmen bin ich so sehr in alle Prozesse involviert, dass ich dieses Mal die Gelegenheit nutzen wollte, den Jungs über die Schulter zu schauen und von ihnen zu lernen. Martino, einer der beiden Gründer von Union, hat enge Verbindungen zu den Pirates und so lag es nahe, ihnen das Ruder in die Hand zu geben. Meine Rolle beschränkte sich eher auf den Part als Fahrer, aber natürlich hatte ich vor Ort beim Filmen hier und da einige Ideen. Außerdem war Tom, einer der Shredbots-Filmer, dabei und so waren alle möglichen Perspektiven durch Kameras abgedeckt.

Und hast du etwas von den Pirates gelernt?
Die Idee, was Snowboarden ist, ändert sich von Person zu Person. Es ist sehr individuell und persönlich, jeder hat seinen eigenen Geschmack, Style und Vorstellungen, wie etwas aussehen soll. Das gilt auch für die kinematographische Ebene des Snowboardens. Am Ende macht das aber überhaupt nichts aus, denn wenn du nach etwas suchst, was dich persönlich anspricht und Lust auf Snowboarden macht, findest du immer etwas. Gerade heute, wo so viel online passiert, ist es einfacher als je zuvor etwas zu finden, was voll deinen Geschmack trifft. Das finde ich persönlich ziemlich gut.

„Stronger“ ist ein klassischerSnowboard-Film: ein Part nach dem anderen, kein Voiceover, keine persönlichen Einblicke in die Saison. Was trifft deinen Geschmack am ehesten: Snowboard-Porno oder Dokumentation?
Ich bin mit Filmen aufgewachsen, die gleich zur Sache gekommen sind. Das ist für mich der klassische Snowboard-Film-Stil, auf den ich noch immer stehe. Und er hat noch immer seine Berechtigung. Aber es ist cool, dass auch auf der narrativen Ebene eine Weiterentwicklung stattfindet, was für die Vielfalt der Snowboard-Filme gut ist und ihnen hilft, ein größeres Publikum zu erreichen. Wie gesagt, die Vielfalt ist für den Snowboardfilm als Ganzes von Vorteil, aber hin und wieder tut es auch einfach gut, zu den Basics zurückzukehren.

Dieser Shot hat wohl jeden umgehauen, der Torsteins Part gesehen hat | © Andy Wright
Dieser Shot hat wohl jeden umgehauen, der Torsteins Part gesehen hat | © Andy Wright

Du hast uns erzählt, dass du auch bei einer Handvoll Filmpremieren warst, darunter „The Fourth Phase“ und „Odd Folks – The Movie“, zwei Filme, die ziemlich weit auseinanderliegen. Wie unterscheiden sich die Premieren aus deiner Sicht?
Das ist eine schwierige Frage, da die Filme tatsächlich so weit voneinander entfernt sind. Am oberen Ende der Nahrungskette steht klar Travis mit Red Bull Media House und Brain Farm. Die machen keine halben Sachen und ziehen alles in einem etwas größeren Stil auf. Die Kinos sind riesig, genauso die Werbemaschinerie, die dafür in Gang gesetzt wird. Das hängt natürlich auch mit der enorm großen Erwartungshaltung dem Film gegenüber zusammen. Bei dem Film muss man sich hinsetzen, alles andere wäre irgendwie unpassend. Man möchte die gesamte Story mitbekommen und aufmerksam zuschauen. Denn du weißt von Beginn an, dass es kein Snowboard-Porno wird. Auf der anderen Seite des Spektrums hast du Filme wie den der Oddfolks. Er fühlt sich mehr nach DIY an, das macht ihn greifbarer und die Zuschauer schaffen es schnell, eine Verbindung herzustellen und verstehen, was da passiert. Auch die Fahrer selbst sind greifbarer, es fühlt sich mehr an, wie wenn du deinen Buddys beim Shredden zuschaust. Der Vibe ist ganz anders und erinnert daran, wie die Filmpremieren am Anfang waren. Es ist wichtig zu sehen, dass es das auch noch gibt. Du kannst einen Haufen Geld bezahlen und mit dem Heli herumfliegen, aber du kannst dir auch einfach eine Schaufel schnappen, ein Handrail ausgraben und deine Homies filmen.

Zurück zum Union-Movie. Wann hast du begonnen, für deinen Part zu filmen?
Meine Saison war ein wenig schwierig. Ich hatte mich vor einem Jahr in Australien am Rücken verletzt, was eine ziemlich lange Reha-Phase zur Folge hatte, die sich bis in den darauffolgenden Winter zog. Ich konnte erst im Dezember langsam wieder anfangen mich einzufahren. Mein Ziel war es, bis zu den X-Games fit zu sein, nicht weil ich hohe Erwartungen an den Contest und mein Ergebnis hatte, sondern einfach als Ziel, auf das ich hinarbeiten konnte. Im Februar konnte ich dann endlich anfangen, für meinenPart zu filmen.

Hast du dich auf den Union-Film konzentriert oder gleichzeitig auch für andere Projekte gefilmt?
Ich habe mich voll auf „Stronger“ konzentriert. Auf den Street-Trips war auch Anto [Chamberland; Anm.d. Red.] mit von der Partie und als wir uns ins Backcountry aufmachten, sind Werni Stock und Brage Richenberg dazugestoßen, die für den neuen Shredbots-Movie filmten. Der hat sich mittlerweile zu einem Zweijahresprojekt entwickelt, da viele der Jungs letztes Jahr mit anderen Projekten beschäftigt waren. Da meine Shots für den Union-Film gedacht waren, saß ich bei den Shredbots also eher im Regiestuhl.

Park, Backcountry und Street: Torstein kann einfach alles fahren
Park, Backcountry und Street: Torstein kann einfach alles fahren

Wie fühlt es sich für dich an, Teil dieses Films und des Teams zu sein?
Ich glaube, es geht vielen Teamfahrern ähnlich wie mir. Viele der Jungs haben sich früh auf das Brand eingelassen, als es noch recht klein war und keine große Rolle in dem ganzen Business spielte. Dazu gehören auch so hochkarätige Fahrer wie Scott Stevens und Travis Rice. Union war von Anfang eine Firma, die vorausdachte, und damit meine ich nicht nur die technische Entwicklung der Bindungen. Sie haben ein Team aufgebaut, das sich zu hundert Prozent hinter das Brand stellt. Nicht, weil sie dafür massig Kohle bekommen, sondern weil sie tatsächlich daran glauben. Heute fahren so viele Leute diese Bindungen, dennoch fühlt es sich nicht anders an als zu Beginn. Es ist immer noch echt. Das unterstreicht der Film. Außerdem ist er natürlich ein Beleg für den Erfolg des Brands, denn ich glaube nicht, dass es schon einmal einen Film dieser Größenordnung von einer Bindungs-Firma gab. Es ist das erste Mal überhaupt, dass so eine Firma über ein Team wie Union verfügt und die Möglichkeit hat, solch einen Film zu realisieren. Dass ich Teil davon sein kann, macht mich verdammt stolz.

Denkst du, dass der klassische Snowboard-Film mit großem Budget und Premieren-Tour bald der Vergangenheit angehört?
Nein, überhaupt nicht. Ich denke, dass es sogar mehr von diesen Filmen geben wird. Es wird wahrscheinlich nicht mehr viele Filme von unabhängigen Produktionen geben, diese Phase geht in eine andere über. Mit der Ausnahme von Absinthe Films. Sie killen es nach wie vor mit ihren Filmen und der Tour. Ich bin überzeugt davon, dass sie, solange sie es wollen, auch jedes Jahr wieder schaffen werden. Aber was den Rest anbetrifft, entwickelt es sich eher in die Richtung, wie es im Skateboarden schon eine Weile läuft. Ich glaube, dass wir in Zukunft deutlich mehr firmeneigene Filme sehen werden. Ich hoffe auch, dass wir davon wegkommen, jedes Jahr neue Filme herauszubringen, denn es gibt nicht genügend Hype, wenn die Leute wissen, dass sie jeden Herbst einen neuen Film erwarten können. Man sieht es an Filmen wie „The Fourth Phase“ oder an Déja Vu, wenn sie ein Zweijahresprojekt starten. Qualität braucht Zeit. Jeder kann sich heute eine Kamera schnappen, einen Edit filmen und ihn am nächsten Tag raushauen. Auch wenn das meiner Meinung nach gut für Snowboarden als Ganzes und eine große Hilfe für das Wachstum des Sports ist. Aber wenn du einen gewissen Anspruch an einen Film hast, musst du dir mehr Zeit dafür lassen.

aus: Prime Snowboarding Magazine #07