Es gibt Fahrer, die für den Außenstehenden mit ihrem Brett sehr eindimensionale Spuren in der Wahrnehmung hinterlassen. Es gibt aber auch solche wie Iouri Podladtchikov, denen die Szene nicht egal ist, aber deren Streben weit über den Snowboard-Tellerrand hinausreicht.
Porträts: © Silvano Zeiter | Text: Jeffrey Gabriel

[TS_VCSC_Image_Full image=“7160″ break_parents=“10″]

Iouri steht auf klare Ansagen, egal ob im normalen Leben, bei seinen Fotos oder wenn er mit seinem Snowboard aus der Wall segelt. | Foto: © Silvano Zeiter | Saas-Fee, CH | Fs Air Fs Grab

Manch einer würde sich nach einem Olympiasieg zurücklehnen und genießen. Nach der Vertragsverlängerung mit deinem Hauptsponsor bis zu den nächsten Olympischen Spielen scheint das für dich nicht in Frage zu kommen.  Es war für mich eine merkwürdige Erfahrung, denn niemand kann vorhersagen, wie du mit Erfolgen umgehen wirst. In meinem Fall hat der Olympiasieg extrem viele Emotionen ausgelöst und mich vorangetrieben. Vor allem aber hat es mich stark motiviert snowboarden zu gehen, mit dem Studium zu beginnen und gleichzeitig alle meine anderen Interessen weiter zu verfolgen.

Könnte es sein, dass deine krasse Motivation mehr auf Rampenlicht und Erfolg basiert anstatt auf der tatsächlichen Leidenschaft für die Sache? Es hat weniger etwas mit Leidenschaft zu tun, viel mehr versuche ich bei allem was ich angehe, immer das Beste daraus zu machen. Es muss einfach für mich passen, meiner persönlichen Vorstellung entsprechen. Ich habe viele Erfolge erlebt, die mich so nicht direkt zum Träumen gebracht haben. Für mich war Snowboarden einfach nie genug. Allerdings würde ich auch nie das Snowboardern für meine anderen Interessen aufgeben und umgekehrt. Alles, was mich dazu antreibt, etwas umzusetzen, ist wichtig für mich und Snowboarden hat mit Abstand die besten und wichtigsten Momente für mich hervorgerufen und weitere solcher Augenblicke werden folgen!

Auf alle Fälle hast du in Sotschi Geschichte geschrieben. Der Russe wird zum Schweizer und gewinnt anschließend in Russland Olympiagold – richtig bestsellermäßig. An welche französische Filmakademie würdest du die Filmrechte verkaufen wollen? Danke, ich sehe das als Kompliment. Die Filmrechte würden definitiv nach Russland gehen! Am liebsten an Sergei Solovyov, seine Filme sind momentan einfach meine Favoriten.

[TS_VCSC_Image_Full image=“7165″ break_parents=“10″]

Iouri verkaufte seinen Porsche, um sich von dem Geld eine Halle inklusive Halfpipe zum Skaten mieten konnte. Das Gefühl fürs Transitionfahren, das er aus dieser Vert-Ramp mitnehmen konnte, hat laut Iouri vielleicht zu dem gewissen Unterschied bei den Olympischen Spielen beigetragen. © Silvano Zeiter | Zürich, CH | Fs Indy

Gibt es ein Key-Event, das für deine Erfolgsgeschichte richtungsweisend war? Definitiv der Junior Jam an den European Open 2005. Damals ging ein Traum für mich in Erfüllung.

Wann hat es dir den Ärmel so richtig reingezogen? Das ist eine gute Frage… Ich glaube, als ich das erste Mal mit Markus Keller und der ganzen Two Four-Crew in Zermatt ein Camp besuchte. Die Crew hat mich extrem beeinflusst und motiviert.

Marco Bruni, dein langjähriger Coach war einer deiner wichtigsten Förderer. Was hat er dir mit auf den Weg gegeben? Er hat mir extrem früh schon aufgezeigt, dass es ein langer, harter Weg werden würde, um meine Ziele erreichen zu können. Er glaubte immer an mich, weshalb weiß ich auch nicht genau, aber je mehr Leute um dich herum dir blind folgen und vertrauen, desto greifbarer fühlt sich dein Ziel irgendwann für dich an.

Auf der nächsten Seite: Iouri über Pipe- und Streetfahren und Skaten

1
2
3
TEILEN