Der neue Streifen „Degrees North“ mit Xavier De Le Rue ist kein gewöhnlicher Snowboard-Film. Der Franzose steht schon seit Längerem dafür, die Grenzen der Filmproduktionen auszudehnen und dabei immer neue Wege zu beschreiten. Besonders im Bereich der autonomen Drohnen sieht er viel Potential für Freerider und Abenteurer. Uns hat der Pro Rider einen Einblick in seine Gedanken rund um das Thema Drohnen und Selbst-Dokumentationen gegeben.

„In den letzten vier Jahren hatte ich das Privileg, an unglaublichen Abenteuern teilzunehmen, die am Ende zu vier verschiedenen Filmen mit komplett unterschiedlichem Charakter geführt haben. Für mich war es dabei immer wichtig, etwas Neues einzubringen und dabei trotzdem stets höchste Qualität abzuliefern. Unsere vier Filme präsentieren unterschiedliche Blickwinkel auf die Berge und wie sowohl Snowboarder als auch Skifahrer mit ihnen interagieren.

Während unserer Abenteuer in den verschiedensten Gebieten wie der Antarktis, Spitzbergen, Chamonix (Frankreich) und Alaska war mir vor allem eine Sache immer besonders wichtig: Luftaufnahmen. Durch sie hat man die Möglichkeit, die Größenordnung der Locations für den Zuschauer deutlich zu machen. Sie waren ein Schlüssel zur Differenzierung zu anderen Produktionen und haben einen großen Anteil an dem Erfolg der Filme.

„Degrees North“ wird jetzt bald veröffentlicht und wir haben meine Vision so weit gepusht, dass wir unsere Arbeitstechnik weiterentwickeln konnten, was uns wiederum die Chance gab, mit einer einzigartigen Vorgehensweise an den Berg zu gehen.

De Le Rue begann seine internationale Karriere bei der Junioren-Weltmeisterschaft 1997 in Corno alle Scale, wo er im Riesenslalom den 13. Platz erreichte.

Bei unserem letzten Film haben wir unsere größte Lektion gelernt: Verrückte Träume sind der richtige Weg, neue Dinge zu verwirklichen. Früher haben wir nur davon geträumt, von einem Paramotor aus in eine Line einzudroppen und jetzt haben wir es wirklich Realität werden lassen.

Vor fast zwei Jahren hatte ich zusammen mit meinen Partnern bei Hexo+ diese crazy Idee, eine autonom fliegende Kamera zu erfinden, welche mich beim Fahren selbständig verfolgen und filmen würde. Das war damals eine ziemlich abgefahrene Idee und ist es auch heute noch… aber sie ist ebenfalls bereits Realität.

Bisher ging so etwas nur mit einer GoPro oder für die ganz Mutigen auch mit einer DSLR-Kamera plus Stativ mit Fernbedienung. Selbst-Dokumentationen waren bisher immer auf einen sehr kleinen räumlichen Radius begrenzt. Dazu kommen ungünstige Blickwinkel, welche nur sehr selten die reale Perspektive abbilden konnten.

Denk mal drüber nach. Bisher war es immer so, dass entweder die Athleten einer großen Produktionsfirma die Action inszeniert und limitiert haben oder man hat sich eben für die Freiheit alles selber zu steuern entschieden, musste dann aber Footage mit niedrigerer Qualität in Kauf nehmen. Jetzt haben wir die Möglichkeit von autonomen Drohnen, die aus jedem Winkel Aufnahmen in bester Qualität machen können.

Die Frage ist jetzt: Was fängt man damit an? Wie wäre es, Outdoor- und Actionsports-Eigen-Dokumentationen neu zu erfinden? Wie wäre es, mit ultimativer Freiheit und gleichzeitig bester hochqualitativer Cinematographie?

Wie wäre es, persönliche Abenteuer zu zeigen, mit denen sich jeder identifizieren kann, was bisher immer nur den Top-Ridern vorbehalten war?
Wie wäre es, das Abenteuer wirklich zu leben und die Momente sofort festzuhalten, ohne etwas inszenieren zu müssen und somit eine wirkliche Nähe zu dem Big Mountain Snowboarder und Abenteurer aufzubauen? Meine Antwort darauf ist: Do-It-Yourself!

Mein Ziel ist: Back to the roots. Ich will wieder ein Snowboarder werden, dessen Ziel es ist, jeden Tag fahren zu gehen, meiner Inspiration zu folgen und daraus enstehen dann wieder verrückte Abenteuer. Mit dem DIY-Projekt verfolge ich genau dieses Ziel.

Ich will diesen Lifestyle leben: Durch Europa mit einem Camper, nach Canada auf den Mount Etna, nach Japan oder Kamatschatka – und das Ganze immer genau dann, wenn ich gerade will oder der nächste Schneesturm im Anrücken ist. Durch Selbstaufnahmen kann man diese Momente dann zum Leben erwecken, eine qualitativ hochwertige Webserie kreieren und am Ende einen Full Edit mit den Highlights rausbringen, der die epischen Ereignisse des Riders wirklich wiedergibt.

Ich habe die Möglichkeit, jeden Fahrer zu besuchen, einzuladen und mit jedem meine Abenteuer zu teilen, egal ob er Snowboarder, Journalist oder etwas anderes ist. Umso mehr ich darüber nachdenke, umso mehr wird mir klar, dass dieses Projekt eine einmalige Chance ist. Ich bin der Co-Erfinder des Systems, das Luftaufnahmen demokratisieren wird und das ist ein großes Privileg für mich sowie eine faszinierende Story.

Es ist zudem unglaublich, dass ich nach so vielen Jahren in einem riesigen Projekt mit einer großen Crew nun endlich die Möglichkeit habe, das wirkliche Leben eines Big Mountain Snowboarders und Abenteurers zu leben. Endlich habe ich die Flexibilität, jeden Tag spontan zu planen sowie meine Träume und Leidenschaft noch viel weiter zu pushen, als ich es mir bisher vorstellen konnte.

Ich bin sehr aufgeregt darüber, einen neuen Weg zu beschreiten, wie ich meiner Leidenschaft nachgehen kann und diesen auch meinen Fans näher zu bringen. Ich hoffe, dass ihr mich dabei unterstützen werdet, um diese einmalige Möglichkeit weiter zu entwickeln.“

Xavier De Le Rue

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