Von unseren Nachbarn auf der Insel haben in den vergangenen Jahren einige junge Fahrer mit ihrem Riding auf sich aufmerksam gemacht und die Welt der Contest-Touren aufgemischt. Diese Jungs beeindrucken durch solide Runs, ein hohes technisches Level und haben schon viele vordere Podiumsplätze besetzt. Billy Morgan ist einer von ihnen. Auch wenn er heute schon nicht mehr zur jüngsten UK-Generation zählt, ist er einer der Fahrer, die sowohl Double wie auch Triple Corks beherrschen. Und zumindest der Kreis der Fahrer, die den Triple beherrschen, ist ja noch einigermaßen überschaubar. Rechtzeitig zum Saisonende vergangenen Winter hat Billy dann noch einen drauf gesetzt: Als erster Snowboarder überhaupt landete er den Quad Cork. Und die Welt staunte. Man fragt sich, was diesen Typen antreibt und warum ihn diese Tricks so anziehen? Und wie geht er mit den Vorwürfen um, dass das alles nichts mehr mit Snowboarden zu tun habe? Wir haben ihn gefragt.

Wie war dein Sommer? Ich hatte eine Operation am Knie und daher die meiste Zeit in der Reha verbracht. Es war ziemlich langweilig kann ich dir sagen.

Was ist passiert? Nichts besonderes. Mein Kreuzband war schon lange angeschlagen, aber ich habe den Eingriff die ganze Zeit vor mir hergeschoben. Ich konnte nur noch maximal einen halben Tag fahren, bevor die Schmerzen so groß wurden, dass ich aufhören musste. Jetzt ändert sich das hoffentlich wieder.

Umso bemerkenswerter, dass du den Quad Cork gelandet hast. Das war doch kurz vor der Operation, oder? [Lacht] Ja, es war mein letzter Tag der Saison. Im Ernst, ich bin danach nicht mehr aufs Snowboard gestiegen.

Hattest du geplant, den Trick noch unbedingt vor dem Sommer zu machen? Ich arbeitete schon über einen Monat an dem Trick, aber ich wusste, ich muss ihn landen. Denn eigentlich war es egal, ob ich mich noch mehr verletzen würde, unters Messer musste ich sowieso.

Das Skalpell hat dir also einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben? [Lacht] Auf jeden Fall! Ich wusste, wenn ich ihn jetzt nicht mache, ist die Chance groß, dass ich ihn überhaupt nicht mache. Es konnte einfach nichts schiefgehen. Ich war schon zerstört und hatte sechs Monate Reha vor mir, was sollte also noch passieren?

War es eine speziell auf den Quad ausgelegte Session? Ja, Red Bull hatte in Livigno extra einen Jump bauen lassen. Ich war zu der Zeit auf dem Stubaier Gletscher unterwegs und bekam am Nachmittag einen Anruf, dass ich am nächsten Tag diesen Kicker fahren könnte. Es war so ziemlich meine einzige Chance und wir brachen Hals über Kopf auf, um es rechtzeitig dorthin zu schaffen. Eigentlich ist es ziemlich verrückt, dass es geklappt hat, denn in der Regel schaust du dir so ein Monster in Ruhe an und kannst dich einfahren, bevor du tatsächlich springst. Aber es war eine gute Session: Perfekte Bedingungen und eine gute Atmosphäre.

Billy Morgan in Sölden, Österreich - Foto: Pally Learmond / Red Bull Content Pool
Billy Morgan in Sölden, Österreich – Foto: Pally Learmond / Red Bull Content Pool

Stimmt es, dass du den Trick first try gelandet hast? Ja. Ist auch so ziemlich die einzige Möglichkeit, oder nicht?

Naja, wenn du’s versaust, endet es ziemlich böse… Eben! Der Kicker war perfekt, aber die Landung war sketchy. Ich hatte echt Schiss und dachte nur: Ein zweites Mal mache ich das nicht. Also muss es beim ersten Mal klappen. Dann bin ich losgefahren.

Wie fühlt es sich an, der erste zu sein, der einen Trick gemacht hat? Das kann ich gar nicht so genau sagen, es war seltsam. Ich war mehr erleichtert als stolz. Ich war froh, es endlich hinter mich gebracht zu haben. Beim Triple war es anders, damals war ich super gestoked. Endlich hatte ich zu den anderen aufgeschlossen und den Trick in der Tasche.

Aber erst mit dem Quad bist du auf Lil Waynes persönlichem Twitter-Feed aufgetaucht! [Lacht] Das war verrückt! Ich konnte es nicht glauben, dass er das Video geteilt hatte. Irgendwie aber ziemlich cool und es hat für jede Menge Gelächter bei meinen Jungs gesorgt.

Schreibt ihr euch jetzt täglich? Ja, klar. Was glaubst du denn? Wir werden bald in Breckenridge zusammen snowboarden gehen. Sind ja jetzt sozusagen Homies. Ich schreib ihm gleich eine Nachricht: Bring your grills and chains…

Billy Morgan mit einem fetten Backflip in Zürs auf dem Legs Of Steel Kicker - Foto: Pally Learmond / Red Bull Content Pool
Billy Morgan mit einem fetten Backflip in Zürs auf dem Legs Of Steel Kicker – Foto: Pally Learmond / Red Bull Content Pool

Macht es dir was aus, wenn dich Leute als Kunstturner bezeichnen und dass die ganze Cork-Geschichte nichts im Snowboarden verloren hat? Nein, nicht wirklich. Seit ich zum ersten Mal auf dem Snowboard stand, wollte ich einfach nur das machen, worauf ich Bock hatte. Es hat mich noch nie interessiert, was andere von dem halten, was ich mache. Ich wollte einfach rausgehen, und Dinge MACHEN, nicht endlos darüber nachdenken, was cool ist und was nicht. Ich verstehe Snowboarden noch immer als einen freien Sport, du kannst machen, was du willst und brauchst dir von niemandem etwas vorschreiben lassen. Ich denke, dass die Leute, die anderen sagen wie sie fahren sollen, sich selbst widersprechen. Du kannst nicht auf der einen Seite sagen, dass Snowboarden frei ist und auf der anderen Seite exakte Vorstellungen davon haben, wie die Leute den Sport machen sollen. Wenn du keine Triple Corks machen willst, mach keine. Wenn du sicke Rail-Parts filmen willst, tu es. Mir macht es nun einfach extrem großen Spaß, große Kicker mit viel Airtime zu springen und daher suche ich immer nach dem nächsten großen Trick. Das ist einfach genau mein Ding.

Woran liegt es deiner Meinung nach, dass viele junge Fahrer aus UK in den letzten Jahren so erfolgreich waren? Wir haben in England zwar eine kleine, aber ziemlich lebendige und gute Snowboard-Szene. Wenn du so wie wir auf Dryslopes groß wirst, hat es wahrscheinlich einen viel größeren Effekt, wenn du das erste Mal auf echtem Schnee fahren kannst, als es für jemanden aus Österreich oder der Schweiz ist. Viele der UK-Kids, die ich kenne, fahren so viel sie können. Sie nehmen die Dryslopes in Kauf, weil sie wissen, dass es sich spätestens dann auszahlen wird, wenn sie die Tricks auf echtem Schnee machen können. Aber in der Zwischenzeit hat sich da auch viel verändert. Viele der Kids bekommen große Unterstützung, um möglichst viel Zeit in den Alpen oder den USA verbringen zu können und zu trainieren. Die Möglichkeiten hatte ich damals nicht.

Billy Morgan in Sölden - Foto: Pally Learmond / Red Bull Content Pool
Billy Morgan in Sölden – Foto: Pally Learmond / Red Bull Content Pool

Woran lag das? Meine Eltern konnten mir keine so große finanzielle Unterstützung anbieten, also musste ich den ganzen Sommer durcharbeiten, um im Winter snowboarden gehen zu können. Ich kann dir sagen, ich hab’ schon eine Menge beschissener Jobs gemacht… Aber ich bereue das nicht. Diese Zeit hat mich auch geformt und ich habe die Zeit im Schnee noch mehr genießen können, weil ich wusste, dass ich sie mir hart erarbeitet hatte.

Dann wünschen wir dir, dass dein Knie hält und sind gespannt, was du dir als nächstes vornimmst! Danke für deine Zeit. Danke euch!

The Story Behind The First Backside Quad Cork

Source: Red Bull Content Pool

Aus: Prime Snowboarding Magazine #01

TEILEN