Es ist längst überfällig, dass sich unsere drei Freunde Michi, Chris und Felix mal wieder zum Anti-Shanti, also zum Yoga für den Kopf, auf eine Handvoll gekühlter Gerstensafthumpen treffen.

Seit dem letzten Treffen der drei scheint die Welt stillgestanden zu sein, denn sowohl Michi und Chris als auch Felix haben kräftig für ihr Studium gepaukt und hinter ihren Schreibtischen Wurzeln geschlagen. Die Folgen dieses stupiden Büffelns sind soziale Armut und Computerbräune, aber noch schlimmer für die drei angehenden Akademiker ist die Tatsache, dass ihre gestählten Körper des Sommers Geschichte sind. Die Körperspannung der letzten Surf-Trips ist dahin. Tiefkühlpizza, Dosenravioli, Kebap und  unzählige Feierabendbiere zum Abschalten nach dem Lernen, haben die mühsam antrainierten Sixpacks für den Sommerurlaub im Ansatz zu einer Plauze erschlaffen lassen, in die sich beim Sitzen schmerzend die Gürtelschnalle bohrt. So schön dieser milde Novemberabend auch sein mag, Michi, Chris und Felix überkommt ein Gefühl der Unzufriedenheit. Viel Spaß mit den Dreien, die gerade von Barmann Toni drei kühle Blonde mit herrlichen Schaumkronen hingestellt bekommen haben.

Biernernst Kolumne Stadtleben
Das Leben in der Stadt kann so schön sein…

Felix Das ist echt kaum auszuhalten, wenn du merkst wie das Büffeln nach und nach deinen Lebenssaft aus deinem Körper zieht, während hier draußen die Stadt pulsiert. Und wir Deppen lassen das auch noch mit uns machen, nur damit die Industrie neues Kanonenfutter bekommt und so’n paar Manager am Ende ihre Boni sicher können.

Michi Woa, das nervt manchmal so krass abartig, aber willst du machen?

Chris Na ja, du könntest z.B. dein Studium Studium sein lassen, denn du kannst weder das Studium noch die Kohle, die du vielleicht mal irgendwann verdienen wirst, mit ins Grab nehmen. Sollte nicht das Hier und Jetzt im Zentrum unseres Lebens stehen und der Rest kommt dann schon von alleine?

Michi Ja genau, wir machen’s so wie die coolen Jungs aus der Bausparerwerbung, die lieber mit ihren Mofas durch die Gegend pesen, als zu arbeiten und zu sparen wie die Loser. 20 Jahre später hat sich das Blatt allerdings gedreht…

Prime Snowboarding Kolumne
… aber am Meer ist’s eben nochmal chilliger.

Felix Wow, da haben die Marketing-Dudes von diesem Spot ja ganze Arbeit bei dir geleistet. Was geht eigentlich ab? Ich glaube schon, dass es auch anders funktionieren kann. Denkt mal an den Typen, den ich im Sommer kennengelernt habe. Der hatte die Uni hingeschmissen und arbeitet im Sommer in ner Surf-Lodge auf Lombok und im Winter als freier Fotograf in Innsbruck. Der geht jede freie Minute zum Shredden auf die Nordkette oder in die Lizum oder eben Surfen im 26°C warmen Wasser. Wenn du dich organisierst, kann das schon funktionieren.

Michi Ich geb‘ dir Recht, das ist ein verdammt verlockender Gedanke, aber eben auch sehr kurz gedacht. Denn irgendwann wirst du älter und hast vielleicht keinen Bock mehr darauf „Surfcamp-Mädchen“ zu sein. Irgendwann willst du vielleicht deine eigene Hütte haben und dir ’nen gewissen Lebestandard leisten können.

Felix Genau, und als nächstes erzählst du uns, dass du der CSU beitreten willst und wir mitziehen sollen. Was hat dir der Toni verdammt nochmal ins Bier gemischt, dass du so’n Mist erzählst?

Chris Ich bin da voll bei Felix, die Aufwands- und Ertragsrechnung stimmt irgendwie nicht, die geht einfach nicht auf. Es kann doch nicht sein, dass man 24/7 lernen muss, damit man anschließend in der Arbeitsmühle über ein paar Jahrzehnte zermahlen wird, bis der Körper nicht mehr kann. Danach hat man dann mit etwas Glück noch ein paar Jährchen, bevor man ins Altersheim abgeschoben wird…

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Wie wär’s mit einem Arbeitsplatz im Grünen?

Felix Versteht mich nicht falsch, ich hab schon Bock darauf etwas auf die Beine zu stellen, aber das muss sich doch von mir aus entwickeln und nicht suggestiv über Kindergarten, Schule und Uni antrainiert werden, nur damit ich mich hinterher als kleines Rädchen möglichst reibungslos unserem System drehe, bis ich zu alt dafür bin und ausgetauscht werde.

Michi Klar, ich will auch am liebsten das machen, worauf ich Lust habe. Aber unser System funktioniert doch vergleichsweise verdammt gut, checkt doch mal wie es in anderen Ländern und Kulturen gerade abgeht. Bei dem Gedanken muss ich über eure Ansichten echt den Kopf schütteln.

Chris So ein Bullshit, diese Argumentation kannst du dir sonst wo hinstecken. Du hungerst doch auch nicht, nur weil irgendwo auf der Welt Menschen zu wenig zu Essen haben.

Felix Ich sehe, was Michi meint, nur muss es auch andere Wege geben. Die meisten Menschen, die etwas bewegt haben, und damit meine ich nicht, dass sie irgendeine App

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Und wenn alles nicht klappt, dann eben ein paar kühle Blonde.

oder ’ne Smartwatch entwickelt haben, waren Querdenker, Freigeister oder Menschen, die sich in ihre eigenen Visionen reingekniet und realisiert haben.

Michi Klar, wenn du eine Vision hast, kannst du sie auch verfolgen, aber wie viele Leute haben da draußen eine echte Vision?

Chris Jungs, wir flacken hier mega entspannt im Pulli draußen bei ein paar Bierchen rum, wenn wir dieses Thema zu Ende diskutieren wollen, sitzen wir noch bis Weihnachten hier. Lasst uns den Abend genießen und noch ein, zwei Hopfenschalen zischen, denn am Ende ziehen wir unser Studium ja eh durch!

Tja, wie man sieht, haben Jungs im besten Alter auch andere Dinge im Kopf als nur Frauen. Bestimmt haben sie auch an diesem Abend noch der ein- oder anderen Schönheit hinterhergeschaut und dabei charmante Kommentare zum Besten gegeben. Aber wie wir alle ja wissen: Bellende Hunde beißen nicht! Ist unser System sinnvoll oder eine unerträgliche Mühle? Teilt eure Gedanken mit uns auf Facebook und gewinnt mit etwas Glück ein PRIME SNOWBOARDING – Jahresabo. Wir sind gespannt!

Aus: Prime Snowboarding Magazine #03